Biotopschutz für Höhlen – jetzt auch bundesweit

Am 1. April 2018 tritt eine für die Höhlenforschung wichtige Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) in Kraft. Der bislang nur auf der Ebene der Bundesländer zu regelnde Schutz von Höhlen als Biotope ist damit in das BNatSchG aufgenommen. Diese Entscheidung sollte bei den organisierten Höhlenforschern auf einhellige Zustimmung stoßen. In einem Punkt dürfte es allerdings eine von der Bundesregierung abweichende Meinung geben.

Im BNatSchG sind bislang schon bestimmte Lebensräume als geschützte Biotope aufgeführt. Darüber hinaus besteht für die Bundesländer die Ermächtigung, weitere Biotope festzulegen. Bei Höhlen ist eine landesspezifische Regelung auf den ersten Blick auch sinnvoll, da die Verteilung der Höhlen zwischen den Ländern aufgrund der Geologie in Deutschland höchst unterschiedlich ist und manche Landesteile überhaupt keine Höhlen aufweisen. Wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt, tut der Bund jedoch gut daran, die Entscheidung über den Höhlen-Biotopschutz letztlich doch besser nicht den Ländern zu überlassen: In NRW waren bis zum Jahr 2007 Höhlen als Biotope gesetzlich geschützt. Anschließend wurde dies aus dem Landesgesetz gestrichen und erst nach Initiative der NRW-Höhlenforscher 2016 wieder aufgenommen worden. Dieses hin und her ist eng verbunden mit dem jeweiligen Farbenspiel (rot/grün vs. schwarz/gelb) der Landesregierungen bzw. der Mehrheiten im Landtag. In der derzeitigen Konstellation wäre eine Streichung demnächst wieder zu erwarten gewesen. Dem können die Höhlenforscher in NRW nun gelassen entgegen blicken, da mit der Änderung im BNatSchG eine landesspezifische Regelung ohnehin obsolet wird.

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Vierfleck-Höhlenschlupfwespe in der Fuchshöhle in Schwelm. Auch der Schutz ihres Winterquartiers ist nun nicht mehr vom Bundesland und den politischen Mehrheiten abhängig. Foto: U. Brämer

Bereits am 22. Juni des letzten Jahres hatte der Bundestag beschlossen, dass in § 30 Absatz 2 BNatSchG Höhlen sowie naturnahe Stollen als geschützte Biotope aufgenommen werden. Im weiteren Gesetzgebungsverfahren musste die Novelle noch den Bundesrat durchlaufen, gegengezeichnet und vom Bundespräsidenten ausgefertigt werden, so dass das in Kraft treten auf den 1. April 2018 festgesetzt ist. Die Gesetzesbegründung liefert den Höhlenforschern Informationen zum Umgang mit dem oftmals bestehenden Spannungsfeld zwischen Forschungsaktivitäten und Höhlenschutz: „Das bloße Begehen von Höhlen und naturnahen Stollen bleibt im Rahmen der auch bisher schon geltenden Vorschriften erlaubt, da hierdurch in der Regel keine Zerstörung oder sonstige erhebliche Beeinträchtigungen im Sinne des § 30 Abs. 2 S. 1 BNatSchG hervorgerufen werden.“ Im Rahmen der Beurteilung des Verwaltungsaufwands zur Führung eines Biotop-Registers wird jedoch eine Einschätzung vorgenommen, welche die Höhlenforscher wohl kaum teilen werden: „Es wird davon ausgegangen, dass der Bestand an Höhlen hinreichend bekannt ist.“ Gerade die Entdeckung von Neuland – also neue Höhlen oder Höhlenteile – ist für viele Höhlenforscher der größte Motivationsfaktor, um den meist aufwändigen und schwierigen Forschungsaktivitäten überhaupt nachzugehen. So haben beispielsweise die Höhlenforscher des Arbeitskreises Kluterthöhle e. V. im letzten Jahr wieder mehrere hundert Meter Neuland entdeckt. Mit den Neuentdeckungen werden auch die unter Schutz stehenden Höhlen Jahr für Jahr mehr und größer werden – unabhängig davon, was sich die Bundesregierung unter Höhlenforschung so vorstellt.

Fossilien-Eldorado in und an der Kluterthöhle

Ende Januar wurde die Fertigstellung des dritten und damit letzten Bauabschnitts zur Sanierung der Kluterthöhle in Ennepetal mit prominenten Besuchern gefeiert. Doch nicht nur in der Höhle kommen die außergewöhnlichen Fossilien jetzt zur Geltung, sondern auch außerhalb wird dazu neues geboten.

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Zur Fertigstellung der sanierten Kluterthöhle im GeoPark Center versammelt: v.l.n.r. Florian Englert (Kluterthöhle und Freizeit GmbH), Imke Heymann (Bürgermeisterin), Eckhardt Uhlenberg (NRW Stiftung), Dr. Ulrich Pahlke (Geologischer Dienst NRW), Alexander Chrapko (Cave Lighting), Stefan Voigt (AKKH). Foto: Günter Lintl

Ein so großes Projekt wie die Sanierung der Kluterthöhle hat viele Mütter und Väter – besonders, wenn es am Ende gelungen ist. Doch um das Ganze ins Rollen und zum erfolgreichen Ende zu bringen, ist die notwendige Initiative entscheidend – wie in diesem Fall vom Vorsitzenden des AKKH Stefan Voigt. Für die Umsetzung wurden nicht nur die erforderlichen Fördermittel von der NRW-Stiftung eingeworben, sondern auch durch AKKH-Mitglieder in vielen Stunden tatkräftig mitsaniert.

Punktgenau und energiesparend leuchten ca. 1.100 neue LED-Lampen die erstmalig sauberen Wände und Decken der Höhlengänge aus. Foto: Günter Lintl

Viele der bislang unter Lehm und Schmutz verborgenen Fossilien zeigen die natürliche Schönheit des ca. 385 Millionen Jahre alten Riffs aus Korallen und Stromatoporen. Doch was ist das alles genau und wie heißen diese längst ausgestorbenen Geschöpfe? Diese Fragen beantwortet eine extra dafür von dem international ausgezeichneten Fossilien-Experten Lutz Koch geschaffene Schautafel im Geopark Center an der Kluterthöhle. Nicht nur die interessierten Höhlenbesucher, sondern auch die Höhlenforscher selbst erhalten damit eine fundierte Übersicht der Fossilien der Oberen Honsel-Schichten: KochLutz-tafl_geop3

Begleitend besteht im Geopark Center die Möglichkeit, sich ausgestellte Fossilien und weiteres Ausstellungsmaterial anzusehen.

Wieder Neuland im Hardtberg

Nachdem bereits vor zwei Wochen ein offener, breiter Gang in der Ziegenburghöhle I in Wuppertal entdeckt wurde, galt es an diesem Samstag (18.11.17) dem Höhlenwind weiter in den Hardtberg zu folgen. Dafür musste zunächst auf mehreren Metern eine Engstelle geweitet werden.

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Der schon vor 2 Wochen entdeckte Gang: Im mittleren Bereich sind Teile der Sandsteindecke eingestürzt. Auch nach rechts würde es nur durch einen Versturz zur Ziegenburghöhle III gehen. Lediglich auf der linken Seite war ein Weiterkommen möglich.

Nach mehreren Stunden war der Weg in das Neuland frei. Nach einer kurzen Strecke zweigt rechtwinklig ein gut 3 Meter hoher bis 1,5 Meter breiter Kluftgang ab. Die Decke bildet der Sandstein, die Wände zeigen bizarre Laug- und Korrosionsformen sowie etliche Fossilien.

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Eindrucksvolle Profile und bizarre Laugformen im neu entdeckten Hauptgang. Verlehmte Wandteile wechseln sich ab mit freiem Kalkstein.

Der Gang wird immer wieder durch Quergänge und Klüfte rechtwinkelig geschnitten. Nach rechts aufwärts ziehend erreichen sie nach mehreren Metern eine weitere, parallel laufende Gangachse, die leider wieder verstürzt ist. Nach links geht es hinunter und da auch der Hauptgang abfällt, wird es richtig schlammig.

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Vom Hauptgang geht es nach unten und an einem Quergang endet die Neuentdeckung zunächst. Die hohe Luftfeuchtigkeit der Höhle ist mit den dampfenden Höhlenforschern gut zu erkennen.

Der Gang konnte zunächst bis zu einem querenden Schluf mit trockenem Bachlauf verfolgt werden, der in beiden Richtungen noch mehrere Meter weit einsehbar ist.

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Zweigeteilter Gang, der in Blickrichtung – wie auch weitere Parallelgänge – nach oben in die Versturzzone führt.

Die Länge der neuen Höhlengänge liegt bei etwa 50 Metern. Für weitere Neuentdeckungen besteht noch Hoffnung, der Bewetterung weiter folgen zu können.

Neuer Durchbruch in der Ziegenburghöhle I

Bis vor einigen Wochen konzentrierten sich die Forschungsaktivitäten der Höhlenforscher vom AKKH auf die Ziegenburghöhle III, wo versuchte wurde, den großen Versturzbereich zu umgraben. Wie sich herausstellte, ist die Versturzzone jedoch ausgedehnter als dies erhofft und von außen zu erkennen war. So rückte wieder die Ziegenburghöhle I in den Blickpunkt. Die stark bewetterte Fortsetzung mit einem Luftraum von meist kaum mehr als einigen Zentimetern Höhe musste allerdings in mehreren Einsätzen zunächst auf etlichen Metern ausgegraben werden.

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Eine letzte Lehmbank, dann wird es spannend.

Am Samstag, den 4. November, trennte nur noch eine letzte Lehmbank die Höhlenforscher von einer bereits einsehbaren kleinen „Halle“.  Hier endet der Gang in einem mächtigen, kreuzenden Quergang, dessen gesamte Breite nicht leicht zu erkennen ist.

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Dort, wo der Gang sich mit dem großen Quergang kreuzt, ist ein Hohlraum im Lehm geblieben.

Eine Orientierung liefert die Kluft an der Decke, die aufwärts Richtung SSO zieht. Zunächst ist der Luftraum dort nur Zentimeter groß.

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Der kleine Hohlraum – etwa 4 x 4 m groß – mit dem noch ungestörten Lehm.

Nach einer kurzen Grabung konnte in einen größeren Raum von etwa 5 x 10 m vorgestoßen werden, der die gesamte Breite des Ganges erkennen lässt.

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Blick entlang der Kluft vom kleinen in den großen Raum.
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Wie es im Hardtberg meist zu finden ist, bildet der Sandstein die Höhlendecke. Von der hier gut sichtbaren Kluft aus hat sich der Kalkstein darunter komplett aufgelöst.

Ein breiter Gang birgt auch immer die Gefahr, dass die Decke – wie hier aus Sandstein – nicht dauerhaft erhalten bleibt. So sind im neuen Gang an der rechten Kluftseite Teile der ursprünglichen Decke am Boden zu finden. Und so ist nach dem Versturz wieder vor dem Versturz. An einigen Stellen des Gangs sieht es aus als könnte es weiter gehen – jedoch nicht ohne Mühen. Durch eine weitgehende Parität von Höhlen- und Außentemperatur konnte der sonst starke Höhlenwind diesmal nicht weiter verfolgt werden.

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An der Decke und am Boden hat das Wasser zum Teil erstaunliche Lehmformen hinterlassen.

 

Tag des Geotops 2017 in Wuppertal und Ennepetal

Am dritten Sonntag im September (17.) findet wieder bundesweit der Tag des Geotops statt. Der AKKH bietet dazu Veranstaltungen in Wuppertal und Ennepetal an.

Durch die frisch sanierte Kluterthöhle in Ennepetal, die heißer Anwärter auf den Titel „Nationales Naturmonument“ ist, führt der erste Vorsitzende Stefan Voigt.

http://www.gd.nrw.de/zip/tag-des-geotops2017-ennepetal.pdf

Nautilus in der Kluterthöhle

In Wuppertal geht es wieder in den Hardtberg. In diesem Jahr werden zum ersten Mal zwei Objekte – die Untere Hardthöhle und die Hardtkaverne – parallel geöffnet. Es finden je vier Führungen statt. Der Ticketverkauf beginnt bereits am Montag, den 7. August bei wuppertal-live. https://www.wuppertal.de/rathaus-buergerservice/umweltschutz/umwelt_meldungen/102370100000424065.php

(Update 07.08.17: Alle Führungen in Wuppertal ausgebucht)

(Update 17.08.17: Wegen der großen Nachfrage: Je eine weitere Führung Hardtkaverne (15.30 Uhr) und Hardthöhle (16.00 Uhr) bei wuppertal-live buchbar)

Untere Hardthöhle in Wuppertal

 

Großhöhle in der Attendorner Kalkmulde

Die Forschungsarbeiten in der Wasserhöhle in der Attendorner Kalkmulde wurden seit dem letzten Bericht (Höhlentauchgang Attendorn) sehr erfolgreich fortgeführt.

Mit der Vermessung von bisher 528m Ganglänge, Stand 14.05.2017, ist die Höhle offiziell eine Großhöhle!

Dazu wurden seit dem 03.12.2016 bisher insgesamt 9 Befahrungen durchgeführt. Nach einer Winterpause – bedingt durch Wassertemperaturen von 6°C, leichtes Hochwasser und sehr trübes Wasser mit Sichtweiten von ca. 20cm – wird seit April wieder aktiv an der Erkundung gearbeitet. Dabei konnte der unterirdische Bachlauf auf eine Strecke von 160m in den Berg verfolgt werden. Bis dahin müssen 13 teilweise extrem enge Siphone durchtaucht werden. Auf dem Weg in die Höhle ist es nicht einfach mit der ganzen Ausrüstung durch diese Engstellen zu tauchen. Auf dem Rückweg wird es deutlich schwieriger, da selbst der führende Taucher durch aufgewirbelten Lehm kaum noch etwas sehen kann.

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„Gute“ Sicht beim Tauchen auf dem Hinweg

Begünstigt durch die angenehmere Wassertemperatur von zur Zeit 9°C konnten jetzt große Teile der Höhle vermessen werden. Der Höhlenbach folgt bis ca. 85m einem niedrigen Gang, unterbrochen von 6 Siphonen und zwei größeren Kammern bei 12m und 25m. Ab 85m führen Abzweige aus dem Wasser in Trockenbereiche. Schon im niedrigen Bachgang sind einige schöne Sinterformationen, teils als Excentriques, zu finden. In den Trockenbereichen ist die Sinterbildung deutlich stärker ausgeprägt.

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Bachgang, mit typischer Deckenhöhe

Ab 95m erreicht der Bachgang eine Deckenhöhe von über 10m und erweitert sich zu einer großen Halle mit beeindruckenden Sinterformationen. Dahinter führt der Bachgang mit allgemein niedriger Deckenhöhe durch weitere Siphone. Ab hier ist er meist von Trockengängen überlagert. Einige der Tauchstellen können daher auch trocken umgangen werden. Dies ist aber (bisher ?) nicht überall möglich.

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Sinterhalle, bei 110m

Im Bereich der letzten zwei Siphone, S-12 und S-13 bei 140m bis 160m des Bachgangs, wurde jetzt eine trockene Umgehung mittels einer Drahtseilleiter eingebaut. Diese Siphone sind aufgrund ihrer Enge für den Rückweg problematisch. Jetzt können sie notfalls umgangen werden. Schon auf dem Hinweg hatten wir hier einige Materialschäden und Verluste von Ausrüstung zu beklagen.

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Umgehung von Siphon 12 und 13, Schacht mit Drahtseilleiter

Der Bachgang endet zur Zeit in einer Pool-Halle bei 160m Hauptgang-Länge. In diesen Pool fließt frisches Wasser nach, aber bisher konnte keine passierbare Fortsetzung gefunden werden. Durch die recht große Wassertiefe von über 3m ist hier die Strömungsgeschwindigkeit sehr gering. Aufgewirbelter Lehm verteilt sich schnell und trübt die Sicht komplett ein. Durch Tasten konnte ein weiterführender Gang gefunden werden, der erstaunlicherweise steil nach unten führt, auf eine aktuelle Maximaltiefe von 8,9m. Die Gangrichtung konnte leider nicht ertastet werden 🙂

Die Pool-Halle hat eine Deckenhöhe von ca. 10m und erlaubt über eine Lehmrutsche den Weg aus dem Wasser. Dieser Weg führt gewunden steil nach oben. Bis zu einer Höhe von 8m kann man noch das Wasser sehen. Danach verlagert sich der Aufstieg seitlich und führt durch beeindruckende Tropfsteinbereiche steil weiter nach oben, auf ca. 25m über den Wasserspiegel.

Hier, am höchsten bisher gefundenen Punkt, erreicht man eine größere Kammer, deren Decke teilweise instabil aussieht. Ein hier positionierter Pinger (Lawinensuchgerät) konnte vom trockenen Forscherteam von draußen angepeilt werden. Die Position der Peilung stimmte überraschend gut mit der Vermessung der Gänge überein und ergab eine Überdeckung von ca. 6m.

Die Überraschung bezüglich der Vermessungsqualität beruht auf den problematischen Vermessungsbedingungen. Im Bachgang, bei einer Deckenhöhe (über Wasser) von oft nur 30-40cm, ist eine Präzisionsvermessung schwierig. Auf den Tauchstrecken, bei Sichtweiten von weniger als 1m, wird es noch schlechter. Die eingesetzten Messinstrumente müssen komplett wasserdicht sein. Verwendet wurden elektronische Tauchcomputer und ActionCams mit integriertem Kompass. Die Messqualität der eingesetzten Geräte ist normalerweise eher für die grobe Orientierung gedacht.
Siehe dazu auch Vermessung, weiter unten.

Von der Dachkammer führt ein breiter Gang steil nach unten, in eine große Halle, ca. 20x25m mit einer geschätzten Deckenhöhe von 15-20m. Der Hallenboden besteht aus großen bis riesigen Versturzblöcken und liegt ca. 14m über dem Wasserspiegel. In weiten Bereichen ist ein Kellerbereich unterlagert, der durch Spalten zwischen den Blöcken erreicht werden kann, bis zu 7m tiefer liegt und neben Kriechgängen auch größere Räume bietet.

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180° Panorama-Ansicht (W-N-O) der Großen Halle, Eingang in Bildmitte

Wie die Vermessung – zu unserer Überraschung – zeigte liegt der ganze Bereich der Großen Halle direkt über dem Bachgang.

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Neben der Vermessung wurden auch Kleintier-Skelette dokumentiert und Proben für die Speläo-Biologie genommen.

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Das Oberflächenteam versucht parallel zu diesen Arbeiten einen trockenen Eingang in die höher liegenden Bereiche zu finden. In der näheren Umgebung gibt es einige kleine Höhlen und ein paar vielversprechende geologische Formationen. Die Suche blieb bisher leider ohne Erfolg.

Die Arbeiten gehen auf jeden Fall weiter, es bleibt sehr spannend!

Eine Kooperation von Speläogruppe Letmathe (SGL) und Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH)

Fotos: Tom Schäder, Stephan Schild

Ein Tunnel und acht Höhlen – Höhlenforscher kaufen Schwelmer Tunnel

Mitte der achtziger Jahre kommt es am südlichen Bahneinschnitt des Schwelmer Tunnels zu einem Abrutschen des Hangs. Für die Höhlenforscher vom Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. um Stefan Voigt ist die Streckensperrung eine günstige Gelegenheit, den speläologisch interessanten Bereich einmal ohne den störenden Bahnverkehr zu erkunden. Trotz der schwierigen Bedingungen werden einige Neuentdeckungen gemacht. Die Höhlenforscher denken dabei jedoch nicht im Traum daran, dass sie einmal Eigentümer dieses geologischen Ensembles werden könnten. Mehr als 30 Jahre später – der Bahnverkehr ist lange eingestellt – passiert das „Undenkbare“: Stefan Voigt kauft als 1. Vorsitzender des AKKH zum Schutz der Natur den Tunnel samt seiner Einschnitte.

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Das aufwendig gestalltete Südportal des Schwelmer Tunnels. Durch den geraden Verlauf kann man weit hinten sein Ende sehen. Foto: G. Lintl
Der Schwelmer Tunnel befindet sich im nordöstlichen Teil der Stadt Schwelm. Er durchquert auf einer Länge von knapp 750 m den Linderhauser Hochrücken und verbindet die Linderhauser Mulde im Norden mit der Schwelmer Talmulde im Süden. Nur etwa 50 m entfernt verläuft parallel der noch im Bahnbetrieb befindliche Linderhauser Tunnel. Beide Tunnel wurden im Zweiten Weltkrieg als U-Verlagerung „Meise“ für die Rüstungsindustrie genutzt.

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Mit 742 m ist der Schwelmer Tunnel noch 20 m länger als der Schee-Tunnel, der auf der erweiterten Nordbahntrasse Wuppertal mit Spröckhövel verbindet. Foto: G. Lintl
Der Schwelmer Tunnel war ursprünglich Teil der „Rheinischen Strecke“ von Düsseldorf nach Dortmund. In Wuppertal ist diese Bahnlinie auch als „Nordbahntrasse“ bekannt und heute als beliebter Rad- und Fußweg aufwendig ausgebaut. Beim Bau der Bahnlinie vor knapp 140 Jahren wurden an und in den verschiedenen Tunneln etliche Höhlen angeschnitten. In Wuppertal sind mehr als ein halbes Dutzend und am Schwelmer Tunnel allein sogar bislang 8 Höhlen gefunden worden. Kurz vor dem Nordportal befindet sich das Schwelmer Schächtchen, im Tunnel das Schwelmer Schlammbad und die Schwelmer Tunnelhöhle.  Im Bereich des südlichen Einschnitts sind die Fuchs-, Nikolaus-, Brennnessel-, Röhren-, und Osterbachhöhle bekannt. Darüber hinaus bilden die durch die Einschnitte aufgeschlossenen Gesteine ein eindrucksvolles Geotop. Durch die Nord-Süd-Ausrichtung werden verschiedene geologische Schichten durchlaufen und erkennbar. Geologen der Ruhr-Universität Bochum haben dies bereits zum Exkursionsziel gemacht.

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Stefan Voigt präsentiert den südlichen Bahneinschnitt mit den darin befindlichen Höhlen. Foto: G. Lintl
Beim Schwelmer Tunnel wird der Naturschutz im Vordergrund stehen. Das betrifft nicht nur die Geologie, sondern auch Flora und Fauna. So besteht etwa ein großes Vorkommen des seltenen Hirschzungenfarnes. Eine echte verkehrstechnische Einbindung in den Verbund alter Bahntrassen bietet sich aufgrund der schon vollzogenen Überbauungen auf verschiedenen Abschnitten der ehemaligen Bahnlinie nicht direkt an. Das schließt jedoch eine Nutzung des Tunnels zur steigungsarmen Unterquerung des Linderhauser Hochrückens für Fußgänger und Radfahrer für die Zukunft nicht aus.

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Derzeit liegt noch dicker Bahnschotter im Tunnel. Foto: Wildfire

Zum Schwelmer Tunnel und seinen Höhlen wird neben dem Erhalt der Natur zukünftig sicher noch das eine oder andere Geheimnis gelüftet (das Bernsteinzimmer wird übrigens nicht dazu gehören).

Der Kampf um die Ziegenburghöhlen geht in die heiße Phase

Nachdem im Februar in Wuppertal die 50 Meter Marke in der Ziegenburghöhle 3 geknackt (ausgegraben) wurde, brach der eingangsnahe Versturz nach ergiebigen Regenfällen im Februar und März  sukzessive in sich zusammen. Aufgrund der schlammigen Konsistenz wurden die Arbeiten vorläufig eingestellt. Nach dem Abtrocknen der Sedimente konnte der gesamte Versturz abgeräumt und zu Tage gefördert werden. Schließlich wurde der eingebrochene Bereich mit 8 m² Mauerwerk und 25 Sack Mörtel abgesichert. Dabei fand sich – unglaublicher Weise zufällig – die Verbindung zur Ziegenburghöhle 2, die gleich mit gesichert werden konnte.

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Unverhofft konnte die Verbindung zwischen den beiden Höhlen geöffnet werden.  Foto: S. Voigt

Noch besser lief es an der Grabungsstelle am Ende der Höhle. Nach der Öffnung einer ersten offenen Kammer setzte sehr starker Luftzug ein. Aus dem kleinen Hohlraum ziehen zwei bewetterte Fortsetzungen weiter in den Berg hinein. Die eine zweigt nach Osten ab und endet im räumbaren Versturz. Die andere gleicht einem blankgewaschenen Schluckloch, das nach unten unter den schützenden Kalkstein in das SCHWARZE zieht.

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Mit Sedimenten verfüllte Gänge erschweren den Vortrieb. Foto: U. Brämer

Es wird also richtig spannend. Die Ganglänge liegt nach der Verbindung mit der Ziegenburghöhle 2 derzeit bei über 60 Metern. (Text: S. Voigt)

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Zur Not auch mit E-Hammer, der nun aber hoffentlich nicht mehr nötig ist. Foto: U. Brämer

Kluterthöhle im neusten Glanz

Die fleißigen Höhlenfreunde staunten im letzten Jahr nicht schlecht über das, was während der Sanierungsarbeiten in der Kluterthöhle so alles zum Vorschein kam: Ein fast einzigartiger Blick in ein Riff aus Stromatoporen, Korallen und weiteren Meerestieren wie z. B. Nautiliden. In diesem zweiten Bauabschnitt wurde aber nicht nur gesäubert und renaturiesiert, sondern auch der Ausbau der LED-Beleuchtung fortgeführt.

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Freie Sicht auf das Riff, richtig in Szene gesetzt. Foto: Günter Lintl

Am Freitag, den 03.03.17 fand nun die feierliche Eröffnung des zweiten Bauabschnittes der Sanierung der Kluterthöhle im Geopark-Center statt.

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Die Ennepetaler Bürgermeisterin Imke Heymann eröffnete den Reigen der Rednerinnen und Redner. Foto: Günter Lintl
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Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterthöhle & Freizeit GmbH. Foto: Günter Lintl

Die umfangreiche Sanierung konnte nur mit Hilfe der NRW-Stiftung realisiert werden, die dem Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. einen Zuschuss von 50.000 € gewährte.

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Für die NRW-Stiftung der 1. Vizepräsident des Landtags Eckhard Uhlenberg. Foto Günter Lintl
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Mit der Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf folgte ein dritter Redebeitrag aus den Reihen der CDU. Foto: Günter Lintl
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Dr. Klaus Steuerwald vom Geologischen Dienst NRW. Foto Günter Lintl
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Engagiert, unabhängig und überparteilich – der Erste Vorsitzender des Arbeitskreises Kluterthöhle e. V. Foto: Günter Lintl

Die eigentliche Einweihung folgte natürlich in der Kluterthöhle. Von links nach rechts: Stefan Voigt, Arbeitskreis Kluterthöhle, Bürgermeisterin Imke Heymann, Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg, Dr. Klaus Steuerwald, Geologischer Dienst, Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf, Volker Rauleff, stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Kluterthöhle und Freizeit GmbH, Friedrich Wilhelm Wagner, Bezirksregierung Arnsberg, Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterthöhle & Freizeit GmbH

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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Unter der Führung von Stefan Voigt ging es durch die neu sanierten Höhlenteile. Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl