Tag des Geotops 2016 in der Hardtkaverne

Am letzten Wochenende – dem dritten im September –  fand der bundesweite Tag des Geotops statt. Wie bereits im letzten Jahr öffnete der gemeinnützige Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. wieder die Hardtkaverne für Besucher. Bei insgesamt 9 Führungen konnten ca. 190 Interessierte einen Einblick in den Hardtberg gewinnen.

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Direkt gegenüber dem Gerüst der Schwebebahn geht es in den Aufschlussstollen. Foto: M. Herrmann
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Für den Tag des Geotops wurde die Beleuchtung in Betrieb genommen. Foto. Wildfire
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In der großen Kaverne sollten ursprünglich Flugzeugturbinen zur Stromerzeugung aufgestellt werden. Foto: Wildfire
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Bis unter den Bismarckturm wurde die unterirdische Anlage gegraben. Foto: M. Herrmann

 

 

Mit dem Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. im Hardtberg

Zeitung, Radio, Dreharbeiten und der Tag des Geotops. In diesem Sommer herrscht ein reges Interesse am Hardtberg in Wuppertal und seinen Höhlen.

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Daniel Diekhans (links) unterwegs für die Westdeutsche Zeitung auch im Untergrund – hier in der Ziegenburghöhle I. Foto: U. Brämer / AKKH

Wie schon zu Anfang des Jahres besuchte ein Reporter der Westdeutschen Zeitung die Höhlenforscher auf der Elberfelder Seite der Hardt bei den Forschungsarbeiten an den Ziegenburghöhlen. Der Bericht erschien am 25.07.16 http://www.wz.de/lokales/wuppertal/viel-arbeit-fuer-die-hoehlenforscher-1.2237794

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Kerstin Zegay mit Radio Wuppertal Reporterin Saskia Schwedler in der unteren Hardthöhle. Foto: U. Brämer / AKKH

Im der Rahmen der Jubiläumsaktion „25 Wünsche“ von Radio Wuppertal konnte Kerstin Zegay die Teilnahme an einer Befahrung in die Untere Hardthöhle  ermöglicht werden.

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Detlef Wegener vom AKKH erklärt den Damen die Unterwelt. Foto: U. Brämer / AKKH

Ausschnitte aus der Reportage von Radio Wuppertal sind hier zu hören:

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Auch im Hardtstollen ist professionelle Aufnahme- und Beleuchtungstechnik eingesetzt worden. Foto: U. Brämer / AKKH

Im Hardtstollen drehten Filmstudenten der FH Dortmund Szenen für den Kurz-Spielfilm „La Grand Jeté“.

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Führung durch die große Kaverne. Foto: Marco Herrmann / AKKH

Bereits Anfang Juli konnten Führungen durch den Hardtstollen/die Hardtkaverne für Personen durchgeführt werden, die wegen der hohen Nachfrage im September 2015 nicht zum Zuge gekommen waren. Und schon jetzt bis zum 09.09.16 läuft der Kartenverkauf für den nächsten Tag des Geotops am Sonntag, den 18.09.16. Diesmal erfolgt der Kartenverkauf nur über http://www.wuppertal-live.de und die angeschlossenen Vorverkaufsstellen.

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Insgesamt 7 Führungen werden am Sonntag, den 18. September angeboten. Foto: Marco Herrmann / AKKH

Überraschend neue Höhle im Sauerland gefunden

In den von Grauwacke und Tonschiefer beherrschten Honsel-Schichten ist  verkarstungsfähiger Kalkstein nur in geringer Ausdehnung zu finden. Doch gerade in diesen Kalklinsen hat die Natur oft zahlreiche Höhlengänge geformt, die wie im Klutertberg in Ennepetal oder dem Hardtberg in Wuppertal in Summe mehrere Kilometer erreichen können. Dass diese Kalklinsen gefunden werden, hängt meist vom Zufall ab. Wie vor einigen Tagen im sauerländischen Altenaffeln, als sich ganz im Osten der Honsel-Schichten bei einer Baumaßnahme plötzlich ein Zugang in die Unterwelt auftat. Nachdem klar wurde, dass es sich um eine Höhle handelt, wurde ähnlich wie zuletzt in Kierspe https://akkhev.wordpress.com/2016/05/02/neuentdeckung-in-kierspe/ der bekannte Ennepetaler Höhlenforscher Stefan Voigt hinzugezogen, der direkt über 50 Meter der neuen Höhle befahren konnte.

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Blick nach draußen – kaum mehr als einen Meter unter der Grasnarbe wurde der Eingang zur Höhle gefunden. Foto: U. Brämer / AKKH

Am letzten Samstag erfolgte durch eine Gruppe des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. eine weitere Befahrung. Nachdem ein erster Teil der Höhle vermessen und fotodokumentiert wurde, konnte weiteres Neuland entdeckt werden, so dass die Höhle jetzt eine Ganglänge von ca. 100 Metern aufweist.

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Die Höhle weist eindrucksvolle Laugformen und wie so oft in den Honsel-Schichten eine labyrinthartige Struktur auf, was die Vermessung aufwändiger macht. Foto: U. Brämer / AKKH

Nach den Ergebnissen der  Vermessung ist im  Bereich der Baugrube eine Stabilisierung erforderlich. Die Höhle kann aber erhalten bleiben.

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Die typischen Fossilien der Riffe des oberen Mitteldevons sind in der Höhle zahlreich vertreten. Foto: U. Brämer / AKKH
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Auch verschiedenste Versinterungen sind vorhanden. Foto: U. Brämer / AKKH

Die Eigentümer werden der Höhle nun ihren Namen geben. Der Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. übernimmt die Betreuung und wird die Höhle weiter vermessen und erforschen. An mehreren Stellen können sich noch Fortsetzungen ergeben.

 

Neuland in der Wildenkuhle

Am letzten Samstag war eine Forschergruppe des AKKH in die erst kürzlich entdeckte Wildenkuhle in Kirspe zu Vermessungsarbeiten aufgebrochen. Der Forscherdrang führte dann jedoch an einer bislang nicht bezwungenen Stelle zur Entdeckung weiteren Neulands. Die neuen Höhlenteile sind stark versintert, so dass nur mit großer Vorsicht befahren werden kann.

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Glasklarer Sinter, der ganze Bereiche überzieht. Foto: Andreas Nau

 

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Foto: Andreas Nau

Einige Gänge wurden mit Rücksicht auf den Höhlenschmuck zunächst nicht weiter befahren. Es sind in der nächsten Zeit also noch weitere Entdeckungen zu erwarten.

 

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Verlehmte Schlaze und unberührter Sinter erfordern die ganze Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit der Höhlenforscher.  Foto: Andreas Nau

Löwenspring, Unter-Wasser Forschung

Nachdem am 13. November 2015 der renaturierte „Löwenspring“ feierlich eingeweiht wurde (siehe zugehöriger Bericht), begann die Erforschung der Hauptquelle durch Höhlentaucher des AKKH.

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Die Panoramaansicht zeigt rechts die Hauptquelle (als Fotomontage) und etwas links der Mitte die unbetauchbar kleine Nebenquelle. In mehrstündiger Unterwasser-Arbeit gelang es im Dezember, den Eingang der Hauptquelle so weit freizuräumen, dass ein Taucher hineinpasst und auch wieder gut heraus kommt (was natürlich noch viel wichtiger ist).

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Hinter dem Eingang befand sich zur großen Überraschung der Taucher aber erst einmal keine Quelle sondern nur ein scheinbar endlos langer Stollen, der fast bis zur Decke mit Sediment aufgefüllt war. Nur im Deckenbereich floss das Quellwasser mit einer beachtlichen Strömungsgeschwindigkeit.

In mehreren Tauchaktionen gelang es, Meter für Meter, das Sediment aufzugraben und durch die Strömung aus dem Gang herausspülen zu lassen. So konnte der Stollen auf eine Länge von 30m freigegraben werden. Lästig bei diesen Tauchgängen war, neben einer ungemütlich kalten Wassertemperatur von 10°C, dass man in dem knapp 60 cm breiten und ähnlich hohem Gang nicht wenden kann.

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Im Bild kann man neben der linken Druckluftflasche erkennen, dass der Gang im unteren Bereich eine hellere, bräunliche Wandfarbe hat und im oberen Bereich fast schwarz ist. Dies zeigt die Höhe der freigegrabenen Schlammfüllung an.

Nach 30m endet der Gang in einer etwas größeren Kammer, mit Abmessungen von 1,15m Breite, 1,80m Länge und einer Höhe von 1,50m. Im hinteren Drittel befindet sich im Boden die eigentliche Quelle. Bei niedrigem Wasserstand bildet sich an der Decke eine 5-10 cm hohe Luftblase. Hier können die Taucher, mit etwas Geschick, gemeinsam auftauchen und sich kurz besprechen, wie weiter gearbeitet werden soll.

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Wenn man bedenkt, dass diese Quellkammer vor dem Jahr 1850 gebaut wurde und dann darüber ein ca. 20m hoher Bahndamm aufgeschüttet wurde, ist die Decke in einem beeindruckend guten Zustand!

Gang und Quellkammer wurden vermessen und dokumentiert. Bei den beengten Platzverhältnissen war das nicht einfach, die Bedingungen unter Wasser haben es wirklich spannend gemacht.

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Zum Abschluss folgt hier noch ein Blick aus dem Gang in die Quellkammer und ein Blick von oben senkrecht in die Quelle.

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Neben der historischen Bedeutung des Stollens ist er auch unter biologischen Aspekten sehr interessant: Es finden sich hier sehr viele Wassertiere, von Insektenlarven über typische Quellbewohner bis hin zu Höhlentieren. Häufige Funde sind z.B. Bachflohkrebse (Gammarus), Höhlenwasserasseln (Proasellus), Strudelwürmer (Dugesia), Ringelwürmer (Oligochaeta), Quellschnecken (Bythinella), Quellerbsmuscheln (Pisidium), Köcherfliegenlarven (Trichoptera), Schneckenegel (Glossiphonia), Höhlenflohkrebse (Niphargus) und Steinfliegenlarven (Plecoptera). Regelmäßig begleitet uns bei den Tauchgängen auch eine Forelle, die dann meist in der Quelle abwartet bis wir wieder verschwinden.

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Das Ergebnis der Vermessung ist als interaktives 3D-Modell unter dem folgenden Link zu sehen (Hinweis: das Laden kann etwas länger dauern!):

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Neuentdeckung in Kierspe

Wenn sich in den Karstgebieten des Bergischen Landes oder des westlichen Sauerlandes mal wieder irgendwo die Erde auftut, wird meist der bekannte Ennepetaler Höhlenforscher Stefan Voigt um Rat gefragt. So auch in der letzten Woche, als auf einer Baustelle in Kierspe (Märkischer Kreis) ein Erdfall den Blick in den Untergrund freigab. Eine von oben sichtbare abzweigende Öffnung machte direkt Hoffnung auf mehr. Am Donnerstag gelang es Stefan und weiteren Höhlenforschern des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. nach kurzem Einsatz in die neue Höhle vorzudringen. Schnell wurde klar, dass es sich um eine labyrinthische, ausgedehnte Höhle mit mehr als hundert Metern Ganglänge und weiteren Fortsetzungen handelt.

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Herrliche Profile, Fossilien und Lehmformen .Foto: A. Kolarik
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Auch schöne Tropfsteine und weitere Versinterungen sind in der Höhle zu finden. Foto: A. Kolarik

Genauso wichtig wie die Entdeckung einer Höhle ist deren Erhalt und Sicherung, so dass bereits zwei Tage später ein dauerhafter Zugang zur „Wildenkuhle“, wie die Höhle von ihrem Entdecker genannt wurde, hergestellt werden konnte. Somit kann die Wildenkuhle zukünftig weiter erforscht werden und dauerhaft erhalten bleiben.

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Da der natürliche Eingang zur Höhle unterhalb der Geländeoberfläche liegt, musste ein Zugangsschacht hergestellt werden. Foto: J. Wegener
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Das genaue Setzen der Schachtringe bleibt „Chefsache“. Foto: J.Wegener
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Die Schachtringe sind auf dem Fels mit einer Betonblombe umschlossen. Foto: J.Wegener
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Ein „Ennepetaler Höhlentor“ gewährleistet den sicheren Abschluß des Eingangsschachtes. Foto: S.Voigt

Nichts als Höhlen – Höhlen als Nichts

Auf der Jahreshauptversammlung des gemeinnützigen Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. wurde am 15.04.16 von unserem Kameraden Detlef Wegener ein Antrag gestellt, der aus nicht genauer belegten Gründen nicht angenommen wurde. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung für die Speläologie ist der Antrag hier nachzulesen:

Antrag auf Änderung des Vereinsnamens

Detlef Wegener

 Vorbemerkung:

Höhlenforschung ist bekannter Weise eine interdisziplinäre Wissenschaft. Dass Geologie, Biologie, Hydrologie und so fort Teilbereiche der Höhlenforschung sind, ist hinlänglich bekannt. Da die Geisteswissenschaften meines Erachtens in diesem Themenbereich deutlich unterrepräsentiert sind, habe ich mich der Speläologie aus Sicht der Philosophie genähert.

Ich befinde mich damit in bester Gesellschaft, da bereits im Jahr 1931 der bekannte deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky in seinem Essay Zur soziologischen Psychologie der Löcher“ festhielt: „Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.“

Per Definition ist – ebenso wie ein Loch – eine Höhle etwas, wo an einer Stelle, an der vorher etwas war – nämlich Fels -, nun nichts mehr ist. Das Gestein wurde durch Korrosion oder auch Erosion im Laufe von Jahrtausenden entfernt, so dass dort nun Nichts ist. Das Nichts darf auch nicht zu klein sein, sondern muss eine Mindestlänge von fünf befahrbaren Metern aufweisen. Sonst ist dort zwar auch nichts, wird aber nicht als Nichts nach der speläologischen Definition akzeptiert. Weiterhin wichtig für die Definition ist die Tatsache, dass die Entfernung des vormals vorhandenen Gesteins nicht von Menschenhand, sondern  durch natürliche Prozesse entstanden ist, so dass dort, wo vorher Fels war, nun natürlich Nichts ist. Dann ist das eine Höhle.

Wurde hingegen das vormals vorhandene Gestein auf künstliche Weise entfernt, so ist auch dort zwar Nichts, aber hier wird dann nicht von einer „Höhle“, sondern von einem „Stollen“ gesprochen. Dies ist dann kein natürliches, sondern ein künstliches Nichts – also nichts für Höhlenforscher.

Entsprechend der bekannten Problematik „Was wird aus einem Ofenrohr, wenn man das Blech abmacht?“ kann es passieren, dass das Nichts umgebende Gestein entfernt wird, wie es beispielsweise in Steinbrüchen oft geschieht. Dann ist dort nichts mehr – nicht mal mehr Nichts… Das ist dann sehr schade und wird in Fachkreisen allgemein bedauert. Deshalb finden besonders in noch in Betrieb befindlichen Steinbrüchen in unregelmäßigen Abständen unangekündigte (und meist ungenehmigte) Kontrollgänge statt, um zu sehen, ob man vielleicht irgendwo Nichts sieht, bzw. um festzustellen, ob bei neuen Sprengungen Nichts angeschnitten wurde. Da diese Kontrollgänge aus naheliegenden Gründen meist nachts stattfinden müssen, ist es naturgemäß oft schwierig, Nichts zu sehen, einfach weil man nichts sieht.

Zum Thema „Mensch und Loch“ (oder besser: „Mensch und Höhle“ oder noch besser: „Mensch und Nichts“) schreibt Tucholsky: „Wenn der Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben es auszufüllen, dabei fällt er meist hinein. (…) Loch ist Schicksal.“

Für meisten der hier Anwesenden gilt ebenfalls: Loch (- also Höhlen – also Nichts -) ist ihr Schicksal! Auch sie haben (und jetzt bitte keine Hintergedanken!) das Bestreben, Löcher      (– also Höhlen – also Nichts –) ausfüllen zu wollen, möglichst mit dem beschlazten Körper. Sie versuchen, das Nichts so oft und so lange mit ihrem Körper auszufüllen, bis sie sich im Nichts auskennen.

Aber auch in bereits bekanntem Nichts suchen engagierte Zeitgenossen nach neuem Nichts. Sie graben mühsam im Lehm oder führen im das Nichts umgebende Gestein kleinere Sprengungen durch, um Nichts zu suchen. Leider ist die Suche oft vergeblich, denn meistens finden sie… nichts. Wenn sie aber doch nach langer, mühsamer Arbeit und Suche Nichts finden, ist die Begeisterung groß. Es ist immer wieder bemerkenswert, dass es Menschen gibt, die sich über Nichts freuen können.

Viele sind bereit, Geld dafür auszugeben, nur um Nichts zu sehen, so dass sogar Führungen angeboten werden, um ihnen Nichts zu zeigen. Staunend stehen die Menschen im Nichts und bewundern die Stellen, wo sie Nichts sehen. In aller Regel werden dafür aufwändige Lichtanlagen installiert, denn wenn diese nicht wären, sähe man ja im Dunkeln schließlich nichts.

Schlussfolgerung:

Analog zum neudeutschen Begriff „Political Correctness“ sollten wir, die wir uns ernsthaft mit Nichts beschäftigen, uns um eine gewisse „Speleological  Correctness“ bemühen und in entsprechenden Vorträgen und Publikationen nicht mehr den Begriff „Höhle“ verwenden, der wie eine verbale Mogelpackung fälschlicherweise suggeriert, dass etwas dort vorhanden sei, wo in Wirklichkeit Nichts ist. Das bislang verwendete Wort „Höhle“ führt also eher in die Irre.

Stattdessen sollte in Fachkreisen fortan konsequent nur noch der Begriff „Nichts“ Verwendung finden, da „Nichts“ die Vorgänge und Gegebenheiten unter der Erde exakter und präziser darstellt als das Wort „Höhle.

Gleichzeitig würde mit dem leider viel zu oft verwendeten Pleonasmus „unterirdische Höhle“ Schluss gemacht, denn während eine „Höhle“ per Definition unterirdisch ist, gibt es durchaus gravierende Unterschiede zwischen einem unterirdischen Nichts, einem ober-irdischen Nichts und einem überirdischen Nichts! (Das überirdische Nichts bezeichnet man als „Atheismus“, das oberirdische Nichts als „Bielefeld“.)

So sollten – im Bemühen um eine Speleological Correctness – ab sofort jene Nichtse, durch die Besucher geführt werden, um sich Nichts anzuschauen, als „Schaunichtse“ bezeichnet werden. Des Weiteren sollten wir zukünftig von „Nichtforschern“ oder „Nichttauchern“ sprechen, wir sollten in unserer Satzung festhalten, dass wir uns dem „Nichtsschutz“  (nicht zu verwechseln mit „Nichtsnutz“) verschrieben haben und unsere bekannteste Publikation (bislang „Höhlen und Karst in Ennepetal“) sollte umbenannt werden in „Nichts in Ennepetal“. Auch bin ich der Meinung, dass zum Schutz von Fledermäusen und andern Nichttieren das „Nichtrauchen“ unter Strafe gestellt werden sollte!

Ein Nicht-Eingang anstelle eines „Höhleneingangs“ würde überdies etliches an Kosten und Aufwand sparen, da keinerlei Tore und Schlösser mehr notwendig würden, denn ein Nicht-Eingang suggeriert ja deutlich, dass hier kein Eingang sei, folglich auch Nichts verschlossen werden muss.

Auch die Medizin könnte profitieren, denn eine Nasenneben-Nicht-entzündung beispiels-weise benötigt im Gegensatz zu einer Nasennebenhöhlenentzündung fortan keine Behandlung mehr!

Nichts würde unser Bemühen um eine ernsthafte Arbeit für Nichts deutlicher zeigen als die Umbenennung unseres Vereins in „Arbeitskreis Klutertnichts“, die ich hiermit beantrage.

So bräuchte auch unser verehrter Vorsitzender fortan seine Emails an unsere Mitglieder nicht mehr mit einem sexistischen „Hallo Mädels“ beginnen, sondern könnte sowohl die anwesenden als auch die nicht anwesenden Nichtforscher zukünftig geschlechtsneutral mit „Liebe Klutertnichtse“ begrüßen.

Verehrte Anwesende, liebe Mitglieder, ich fordere Euch nun also auf, über Nichts abzustimmen!

Danke sehr!

Höhlenforscher putzen die Wupper

Wie schon im letzten Jahr waren die Höhlenforscher des AKKH wieder mit großer Begeisterung beim Wupperputz aktiv. Bei diesem Mal sammelten in Wuppertal sogar zwei Teams: Neben der Gruppe am Hardtufer tauchten einige Spezialisten im Beyenburger Stausee nach Müll. Dort konnten die Höhlentaucher viele Hinterlassenschaften vom Grund des Sees bergen.

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Viele große und kleine Fundstücke – aber bei weitem nicht alle – konnten vom Grund des Beyenburger Stausees geborgen werden. Foto: S. Krause

Am Hardtufer waren die Kletterfähigkeiten der Höhlenforscher gefragt. Immerhin geht es von der Straße einige Meter zur Wupper abwärts, so dass der Wupperverband diesen Uferbereich eigentlich nicht für das Sammeln vorgesehen hatte.

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Gut gesichert musste der Höhenunterschied zur Wupper überwunden werden. Foto: UB
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Nicht zufällig säubern die Höhlenforscher hier die Wupper, denn gegenüber geht es direkt durch den Hardtstollen in den Hardtberg. Foto: Marco Herrmann
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Auch das eine oder andere sonderliche Fundstück wurde aus der Wupper geholt. Foto: UB
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Gut ausgerüstet konnte es auch in direkt in die Wupper gehen.   Foto: UB
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Willkommene Erfrischungen lieferte mycocktail-taxi.  Foto: UB
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Auch auf der Hangseite des Hardtufers wurde reichlich Müll eingesammelt. Foto: UB
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Durch Unterstützung der Voigt GmbH konnte letztlich eine ganze LKW-Ladung zum Müllsammelpunkt gebracht werden. Foto: UB

Mit dem Wupperputz war der Tag jedoch noch nicht beendet. Denn noch sind den Ziegenburghöhlen im Hardtberg Geheimnisse und Neuland zu entlocken.

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Vom Wasser in den Lehm. Als Höhlenforscher braucht man einen langen Atem. Foto:UB

Mary Anning Award für Lutz Koch

Gestern wurde dem langjährigen Mitglied des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. Lutz Koch der renommierte Preis der Palaeontological Society London von Prof. Dr. Thomas Servais im Rahmen einer Feierstunde übergeben. Nach der Einleitungsrede durch den Vorsitzenden des AKKH Stefan Voigt folgten Reden der Ennepetaler Bürgermeisterin Imke Heymann, von Dr. Volker Wrede als Vertreter des Geologischen Dienstes NRW und des Geoparks Ruhrgebiet, von Prof. Dr. Herbig und Prof. Dr. Amler – Leiter der Stratigraphischen Kommission Deutschlands – sowie von Prof. Dr. Döpp vom Industrie-Museum Ennepetal. In den Räumen des neuen Geoparkcenter im Haus Ennepetal konnten die zahlreichen Gäste anschließend noch interessante und konstruktive Gespräche führen.

Die nachfolgende Fotoserie von diesem gelungenen Event verdanken wir Günter Lintl:

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Eins, zwei, drei – Neue Höhlen im Wuppertaler Hardtberg

Der Hardtberg in Wuppertal beheimatet mit den über 4 km langen Hardthöhlen (obere, untere, unterste) die längste Höhle des Rheinlandes. Eine neue Dynamik erhielt die Höhlenforschung am Hardtberg, als die Höhlenforscher des AKKH im letzten Jahr die Betreuung des Hardtstollens übernehmen konnten.  Die in den 1960-er Jahren durch den Stollenbau angefahrene Tiefe Hardthöhle konnte 2015 von ursprünglich 5 Metern auf über 100 Metern erforscht werden. Damit verbunden waren weitere Erkenntnisse über den geologischen Aufbau des Hardtberges, so dass sich der Fokus auch auf eine bislang wenig beachtete Gesteinswand auf der elberfelder Seite richtete.

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Nur wenig Erdreich musste entfernt werden, um an der ersten Stelle eine Höhle zu finden. Foto: Marco Herrmann

Im September 2015 konnte bereits bei der ersten Grabung an einer aussichtsreichen Stelle eine Höhle entdeckt werden. Diese zieht über einen Hauptgang Richtung Osten in den Berg. An 3 Stellen gehen Gänge rechtwinkelig etwa Richtung Süden ab. Insgesamt beträgt die Ganglänge bereits ca. 70 Meter. Der Hauptgang ist spürbar bewettert. Da das Gestein die darüber liegende „Ziegenburg“ trägt, erhielt die Höhle den Namen Ziegenburghöhle.

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Mitten in der Großstadt reihen sich die Eingänge der Ziegenburghöhlen aneinander. Foto: Günter Lintl

Eine erhoffte Fortsetzung der Ziegenburghöhle I parallel zur Hardtstraße endet hinter einem Versturz vermutlich an einer Störung. Daher wurden dahinter am Hang zwei weitere aussichtsreiche Stellen geöffnet. Dort machen jedoch die eingedrungenen Höhlenlehme das Weiterkommen schwierig. In der Ziegenburghöhle II, die derzeit 8 Meter lang ist, weist vererzter, roter Lehm, der zum Teil steil geschichtet ist, auf die nahe Störung hin. Die Ziegenburghöhle III, die am 2. Januar mit 7 Metern Höhenstatus erreichte, verfügt dagegen über eine horizontale Laugdecke mit eben geschichtetem Lehm. Ob beide miteinander verbunden sind, ist derzeit noch offen.

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Der Kalkstein über dem Eingang der Ziegenburghöhle III zeigt schon außerhalb der Höhle eindrucksvolle Laugformen und Fossilien.  Foto: Günter Lintl

Mit Hilfe der Galabau Voigt GmbH konnten die drei Höhlen jeweils zeitnah verschlossen und damit gesichert werden.

Fortsetzung folgt…