Tag des Geotops 2017 in Wuppertal und Ennepetal

Am dritten Sonntag im September (17.) findet wieder bundesweit der Tag des Geotops statt. Der AKKH bietet dazu Veranstaltungen in Wuppertal und Ennepetal an.

Durch die frisch sanierte Kluterthöhle in Ennepetal, die heißer Anwärter auf den Titel „Nationales Naturmonument“ ist, führt der erste Vorsitzende Stefan Voigt.

http://www.gd.nrw.de/zip/tag-des-geotops2017-ennepetal.pdf

Nautilus in der Kluterthöhle

In Wuppertal geht es wieder in den Hardtberg. In diesem Jahr werden zum ersten Mal zwei Objekte – die Untere Hardthöhle und die Hardtkaverne – parallel geöffnet. Es finden je vier Führungen statt. Der Ticketverkauf beginnt bereits am Montag, den 7. August bei wuppertal-live. https://www.wuppertal.de/rathaus-buergerservice/umweltschutz/umwelt_meldungen/102370100000424065.php

(Update 07.08.17: Alle Führungen in Wuppertal ausgebucht)

(Update 17.08.17: Wegen der großen Nachfrage: Je eine weitere Führung Hardtkaverne (15.30 Uhr) und Hardthöhle (16.00 Uhr) bei wuppertal-live buchbar)

Untere Hardthöhle in Wuppertal

 

Großhöhle in der Attendorner Kalkmulde

Die Forschungsarbeiten in der Wasserhöhle in der Attendorner Kalkmulde wurden seit dem letzten Bericht (Höhlentauchgang Attendorn) sehr erfolgreich fortgeführt.

Mit der Vermessung von bisher 528m Ganglänge, Stand 14.05.2017, ist die Höhle offiziell eine Großhöhle!

Dazu wurden seit dem 03.12.2016 bisher insgesamt 9 Befahrungen durchgeführt. Nach einer Winterpause – bedingt durch Wassertemperaturen von 6°C, leichtes Hochwasser und sehr trübes Wasser mit Sichtweiten von ca. 20cm – wird seit April wieder aktiv an der Erkundung gearbeitet. Dabei konnte der unterirdische Bachlauf auf eine Strecke von 160m in den Berg verfolgt werden. Bis dahin müssen 13 teilweise extrem enge Siphone durchtaucht werden. Auf dem Weg in die Höhle ist es nicht einfach mit der ganzen Ausrüstung durch diese Engstellen zu tauchen. Auf dem Rückweg wird es deutlich schwieriger, da selbst der führende Taucher durch aufgewirbelten Lehm kaum noch etwas sehen kann.

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„Gute“ Sicht beim Tauchen auf dem Hinweg

Begünstigt durch die angenehmere Wassertemperatur von zur Zeit 9°C konnten jetzt große Teile der Höhle vermessen werden. Der Höhlenbach folgt bis ca. 85m einem niedrigen Gang, unterbrochen von 6 Siphonen und zwei größeren Kammern bei 12m und 25m. Ab 85m führen Abzweige aus dem Wasser in Trockenbereiche. Schon im niedrigen Bachgang sind einige schöne Sinterformationen, teils als Excentriques, zu finden. In den Trockenbereichen ist die Sinterbildung deutlich stärker ausgeprägt.

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Bachgang, mit typischer Deckenhöhe

Ab 95m erreicht der Bachgang eine Deckenhöhe von über 10m und erweitert sich zu einer großen Halle mit beeindruckenden Sinterformationen. Dahinter führt der Bachgang mit allgemein niedriger Deckenhöhe durch weitere Siphone. Ab hier ist er meist von Trockengängen überlagert. Einige der Tauchstellen können daher auch trocken umgangen werden. Dies ist aber (bisher ?) nicht überall möglich.

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Sinterhalle, bei 110m

Im Bereich der letzten zwei Siphone, S-12 und S-13 bei 140m bis 160m des Bachgangs, wurde jetzt eine trockene Umgehung mittels einer Drahtseilleiter eingebaut. Diese Siphone sind aufgrund ihrer Enge für den Rückweg problematisch. Jetzt können sie notfalls umgangen werden. Schon auf dem Hinweg hatten wir hier einige Materialschäden und Verluste von Ausrüstung zu beklagen.

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Umgehung von Siphon 12 und 13, Schacht mit Drahtseilleiter

Der Bachgang endet zur Zeit in einer Pool-Halle bei 160m Hauptgang-Länge. In diesen Pool fließt frisches Wasser nach, aber bisher konnte keine passierbare Fortsetzung gefunden werden. Durch die recht große Wassertiefe von über 3m ist hier die Strömungsgeschwindigkeit sehr gering. Aufgewirbelter Lehm verteilt sich schnell und trübt die Sicht komplett ein. Durch Tasten konnte ein weiterführender Gang gefunden werden, der erstaunlicherweise steil nach unten führt, auf eine aktuelle Maximaltiefe von 8,9m. Die Gangrichtung konnte leider nicht ertastet werden 🙂

Die Pool-Halle hat eine Deckenhöhe von ca. 10m und erlaubt über eine Lehmrutsche den Weg aus dem Wasser. Dieser Weg führt gewunden steil nach oben. Bis zu einer Höhe von 8m kann man noch das Wasser sehen. Danach verlagert sich der Aufstieg seitlich und führt durch beeindruckende Tropfsteinbereiche steil weiter nach oben, auf ca. 25m über den Wasserspiegel.

Hier, am höchsten bisher gefundenen Punkt, erreicht man eine größere Kammer, deren Decke teilweise instabil aussieht. Ein hier positionierter Pinger (Lawinensuchgerät) konnte vom trockenen Forscherteam von draußen angepeilt werden. Die Position der Peilung stimmte überraschend gut mit der Vermessung der Gänge überein und ergab eine Überdeckung von ca. 6m.

Die Überraschung bezüglich der Vermessungsqualität beruht auf den problematischen Vermessungsbedingungen. Im Bachgang, bei einer Deckenhöhe (über Wasser) von oft nur 30-40cm, ist eine Präzisionsvermessung schwierig. Auf den Tauchstrecken, bei Sichtweiten von weniger als 1m, wird es noch schlechter. Die eingesetzten Messinstrumente müssen komplett wasserdicht sein. Verwendet wurden elektronische Tauchcomputer und ActionCams mit integriertem Kompass. Die Messqualität der eingesetzten Geräte ist normalerweise eher für die grobe Orientierung gedacht.
Siehe dazu auch Vermessung, weiter unten.

Von der Dachkammer führt ein breiter Gang steil nach unten, in eine große Halle, ca. 20x25m mit einer geschätzten Deckenhöhe von 15-20m. Der Hallenboden besteht aus großen bis riesigen Versturzblöcken und liegt ca. 14m über dem Wasserspiegel. In weiten Bereichen ist ein Kellerbereich unterlagert, der durch Spalten zwischen den Blöcken erreicht werden kann, bis zu 7m tiefer liegt und neben Kriechgängen auch größere Räume bietet.

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180° Panorama-Ansicht (W-N-O) der Großen Halle, Eingang in Bildmitte

Wie die Vermessung – zu unserer Überraschung – zeigte liegt der ganze Bereich der Großen Halle direkt über dem Bachgang.

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Neben der Vermessung wurden auch Kleintier-Skelette dokumentiert und Proben für die Speläo-Biologie genommen.

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Das Oberflächenteam versucht parallel zu diesen Arbeiten einen trockenen Eingang in die höher liegenden Bereiche zu finden. In der näheren Umgebung gibt es einige kleine Höhlen und ein paar vielversprechende geologische Formationen. Die Suche blieb bisher leider ohne Erfolg.

Die Arbeiten gehen auf jeden Fall weiter, es bleibt sehr spannend!

Eine Kooperation von Speläogruppe Letmathe (SGL) und Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH)

Fotos: Tom Schäder, Stephan Schild

Ein Tunnel und acht Höhlen – Höhlenforscher kaufen Schwelmer Tunnel

Mitte der achtziger Jahre kommt es am südlichen Bahneinschnitt des Schwelmer Tunnels zu einem Abrutschen des Hangs. Für die Höhlenforscher vom Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. um Stefan Voigt ist die Streckensperrung eine günstige Gelegenheit, den speläologisch interessanten Bereich einmal ohne den störenden Bahnverkehr zu erkunden. Trotz der schwierigen Bedingungen werden einige Neuentdeckungen gemacht. Die Höhlenforscher denken dabei jedoch nicht im Traum daran, dass sie einmal Eigentümer dieses geologischen Ensembles werden könnten. Mehr als 30 Jahre später – der Bahnverkehr ist lange eingestellt – passiert das „Undenkbare“: Stefan Voigt kauft als 1. Vorsitzender des AKKH zum Schutz der Natur den Tunnel samt seiner Einschnitte.

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Das aufwendig gestalltete Südportal des Schwelmer Tunnels. Durch den geraden Verlauf kann man weit hinten sein Ende sehen. Foto: G. Lintl
Der Schwelmer Tunnel befindet sich im nordöstlichen Teil der Stadt Schwelm. Er durchquert auf einer Länge von knapp 750 m den Linderhauser Hochrücken und verbindet die Linderhauser Mulde im Norden mit der Schwelmer Talmulde im Süden. Nur etwa 50 m entfernt verläuft parallel der noch im Bahnbetrieb befindliche Linderhauser Tunnel. Beide Tunnel wurden im Zweiten Weltkrieg als U-Verlagerung „Meise“ für die Rüstungsindustrie genutzt.

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Mit 742 m ist der Schwelmer Tunnel noch 20 m länger als der Schee-Tunnel, der auf der erweiterten Nordbahntrasse Wuppertal mit Spröckhövel verbindet. Foto: G. Lintl
Der Schwelmer Tunnel war ursprünglich Teil der „Rheinischen Strecke“ von Düsseldorf nach Dortmund. In Wuppertal ist diese Bahnlinie auch als „Nordbahntrasse“ bekannt und heute als beliebter Rad- und Fußweg aufwendig ausgebaut. Beim Bau der Bahnlinie vor knapp 140 Jahren wurden an und in den verschiedenen Tunneln etliche Höhlen angeschnitten. In Wuppertal sind mehr als ein halbes Dutzend und am Schwelmer Tunnel allein sogar bislang 8 Höhlen gefunden worden. Kurz vor dem Nordportal befindet sich das Schwelmer Schächtchen, im Tunnel das Schwelmer Schlammbad und die Schwelmer Tunnelhöhle.  Im Bereich des südlichen Einschnitts sind die Fuchs-, Nikolaus-, Brennnessel-, Röhren-, und Osterbachhöhle bekannt. Darüber hinaus bilden die durch die Einschnitte aufgeschlossenen Gesteine ein eindrucksvolles Geotop. Durch die Nord-Süd-Ausrichtung werden verschiedene geologische Schichten durchlaufen und erkennbar. Geologen der Ruhr-Universität Bochum haben dies bereits zum Exkursionsziel gemacht.

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Stefan Voigt präsentiert den südlichen Bahneinschnitt mit den darin befindlichen Höhlen. Foto: G. Lintl
Beim Schwelmer Tunnel wird der Naturschutz im Vordergrund stehen. Das betrifft nicht nur die Geologie, sondern auch Flora und Fauna. So besteht etwa ein großes Vorkommen des seltenen Hirschzungenfarnes. Eine echte verkehrstechnische Einbindung in den Verbund alter Bahntrassen bietet sich aufgrund der schon vollzogenen Überbauungen auf verschiedenen Abschnitten der ehemaligen Bahnlinie nicht direkt an. Das schließt jedoch eine Nutzung des Tunnels zur steigungsarmen Unterquerung des Linderhauser Hochrückens für Fußgänger und Radfahrer für die Zukunft nicht aus.

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Derzeit liegt noch dicker Bahnschotter im Tunnel. Foto: Wildfire

Zum Schwelmer Tunnel und seinen Höhlen wird neben dem Erhalt der Natur zukünftig sicher noch das eine oder andere Geheimnis gelüftet (das Bernsteinzimmer wird übrigens nicht dazu gehören).

Der Kampf um die Ziegenburghöhlen geht in die heiße Phase

Nachdem im Februar in Wuppertal die 50 Meter Marke in der Ziegenburghöhle 3 geknackt (ausgegraben) wurde, brach der eingangsnahe Versturz nach ergiebigen Regenfällen im Februar und März  sukzessive in sich zusammen. Aufgrund der schlammigen Konsistenz wurden die Arbeiten vorläufig eingestellt. Nach dem Abtrocknen der Sedimente konnte der gesamte Versturz abgeräumt und zu Tage gefördert werden. Schließlich wurde der eingebrochene Bereich mit 8 m² Mauerwerk und 25 Sack Mörtel abgesichert. Dabei fand sich – unglaublicher Weise zufällig – die Verbindung zur Ziegenburghöhle 2, die gleich mit gesichert werden konnte.

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Unverhofft konnte die Verbindung zwischen den beiden Höhlen geöffnet werden.  Foto: S. Voigt

Noch besser lief es an der Grabungsstelle am Ende der Höhle. Nach der Öffnung einer ersten offenen Kammer setzte sehr starker Luftzug ein. Aus dem kleinen Hohlraum ziehen zwei bewetterte Fortsetzungen weiter in den Berg hinein. Die eine zweigt nach Osten ab und endet im räumbaren Versturz. Die andere gleicht einem blankgewaschenen Schluckloch, das nach unten unter den schützenden Kalkstein in das SCHWARZE zieht.

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Mit Sedimenten verfüllte Gänge erschweren den Vortrieb. Foto: U. Brämer

Es wird also richtig spannend. Die Ganglänge liegt nach der Verbindung mit der Ziegenburghöhle 2 derzeit bei über 60 Metern. (Text: S. Voigt)

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Zur Not auch mit E-Hammer, der nun aber hoffentlich nicht mehr nötig ist. Foto: U. Brämer

Kluterthöhle im neusten Glanz

Die fleißigen Höhlenfreunde staunten im letzten Jahr nicht schlecht über das, was während der Sanierungsarbeiten in der Kluterthöhle so alles zum Vorschein kam: Ein fast einzigartiger Blick in ein Riff aus Stromatoporen, Korallen und weiteren Meerestieren wie z. B. Nautiliden. In diesem zweiten Bauabschnitt wurde aber nicht nur gesäubert und renaturiesiert, sondern auch der Ausbau der LED-Beleuchtung fortgeführt.

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Freie Sicht auf das Riff, richtig in Szene gesetzt. Foto: Günter Lintl

Am Freitag, den 03.03.17 fand nun die feierliche Eröffnung des zweiten Bauabschnittes der Sanierung der Kluterthöhle im Geopark-Center statt.

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Die Ennepetaler Bürgermeisterin Imke Heymann eröffnete den Reigen der Rednerinnen und Redner. Foto: Günter Lintl
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Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterthöhle & Freizeit GmbH. Foto: Günter Lintl

Die umfangreiche Sanierung konnte nur mit Hilfe der NRW-Stiftung realisiert werden, die dem Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. einen Zuschuss von 50.000 € gewährte.

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Für die NRW-Stiftung der 1. Vizepräsident des Landtags Eckhard Uhlenberg. Foto Günter Lintl
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Mit der Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf folgte ein dritter Redebeitrag aus den Reihen der CDU. Foto: Günter Lintl
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Dr. Klaus Steuerwald vom Geologischen Dienst NRW. Foto Günter Lintl
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Engagiert, unabhängig und überparteilich – der Erste Vorsitzender des Arbeitskreises Kluterthöhle e. V. Foto: Günter Lintl

Die eigentliche Einweihung folgte natürlich in der Kluterthöhle. Von links nach rechts: Stefan Voigt, Arbeitskreis Kluterthöhle, Bürgermeisterin Imke Heymann, Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg, Dr. Klaus Steuerwald, Geologischer Dienst, Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf, Volker Rauleff, stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Kluterthöhle und Freizeit GmbH, Friedrich Wilhelm Wagner, Bezirksregierung Arnsberg, Florian Englert, Geschäftsführer der Kluterthöhle & Freizeit GmbH

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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Unter der Führung von Stefan Voigt ging es durch die neu sanierten Höhlenteile. Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl
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Foto: Günter Lintl

Höhlentauchgang in der Attendorner Kalkmulde

In einer Kooperation von Speläogruppe Letmathe (SGL) und Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH) wurde am 3. Dezember 2016 eine Quellhöhle im Bereich der Attendorner Kalkmulde erkundet. Bei Tauchgängen im Jahr 1985 wurde eine ungemütlich enge Tauchstrecke von ca. 25m mit einer daran anschließenden luftgefüllten größeren Kammer dokumentiert.

Der alten Führungsleine folgend gelangen wir schnell in diesen Raum. Hier gibt es gleich die erste positive Überraschung. Die alte Beschreibung „größere Kammer“ hat uns nicht ansatzweise auf die Realität vorbereitet.

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Staunend stehen wir in einer ca. 5m hohen Sinterhalle mit 7m Breite und einer Länge von über 12m. Wenn jetzt noch die „vielleicht über Wasser mögliche Fortsetzung“ ähnlich positiv aussieht …

Die Sinterhalle endet im Norden in einer sehr engen, unpassierbar erscheinenden Spalte unter Wasser. Trotz der durchtretenden Strömung ist die Sicht innerhalb von Sekunden nahe Null. Nach kurzem Suchen finden wir aber weiter vorne eine abzweigende Spalte die aus dem Wasser herausführt. Sie ist mit Tauchausrüstung nicht passierbar, aber nach Ablegen der Ausrüstung passt einer der Taucher durch das enge Loch. Direkt dahinter folgt der nächste große Raum. Notfalls können wir uns und unsere Tauchausrüstung hier durchschieben um weiter zu kommen.
Das motiviert neue Versuche an der Unter-Wasser Engstelle:  wenn man es schafft hier durchzukommen werden weitere Vorstöße deutlich einfacher. Nach mehreren Fehlversuchen „ich habe schon deine Luftblasen gehört“ oder „diesmal konnte ich schon deine Füße sehen“ gelingt es dann endlich dem zweiten Taucher sich rückwärts durch die Spalte zu schieben.

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Die kleine Spalte unten in der Wand ist die Gangfortsetzung Flussaufwärts. Über Wasser ist es hier zu eng, aber als Taucher taucht man einfach so weit ab bis die Spalte passierbar breit wird. Nach wenigen Metern Tauchstrecke kommt man in einen langen Gang dem man ca. 50m weit schwimmend folgen kann.

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Nach einer weiteren Tauchstrecke und einigem Suchen nach der Fortsetzung unter Wasser geht es flussaufwärts weiter in die nächste Schwimmstrecke. Hier wird der Gang deutlich größer. Lehmhalden führen aus dem Wasser, die Deckenhöhe steigt von 0,5-1,0m schnell auf deutlich über 5m. In 100-110m Entfernung vom Eingang stehen wir schließlich in einer Tropfsteinhalle.

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Hier ist leider unsere Zeit für diese Erforschung abgelaufen. Die letzte Videolampe geht auf Stromsparmodus, alle mitgebrachten Führungsleinen sind verlegt, die Druckluftflaschen sind auf dem geplanten Reservedruck für den Rückweg und es wird so langsam doch ein wenig kalt, trotz Neoprenanzug. Abgesehen von der trockenen Engstelle schwimmt oder taucht man halt immer im 8° kalten, relativ trüben Wasser.

Nach 3 Stunden und 15 Minuten wird die Erkundung dieser hochinteressanten Höhle auf offener Strecke beendet. Wir werden aber sicher wiederkommen: um weiter zu forschen, aber auch um die bisher gefundenen Gänge zu vermessen und ordentlich zu dokumentieren.

Festakt „40 Jahre Arbeitskreis Kluterthöhle e.V.“

Am Mittwoch, den 30.11.2016, fand im Geopark-Center in Ennepetal der Festakt zum vierzigjährigen Jubiläum des gemeinnützigen Arbeitskreises Kluterthöhle e. V. statt. Etwa 100 Gäste waren an diesem Abend der persönlichen Einladung des Vereins gefolgt. (Alle Fotos: Günter Lintl)

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Detlef Wegener aus dem AKKH-Vorstand moderierte durch den Abend. Vordere Reihe v.l.n.r: Stellvertretende Landrätin Sabine Kelm-Schmidt, Bürgermeisterin Imke Heymann, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld Bodo Bongen.

Nach der Eröffnung durch den Moderator folgten Grußworte durch die Erste Stellvertretende Landrätin des Ennepe-Ruhr-Kreises Sabine Kelm-Schmidt, die Ennepetaler Bürgermeisterin Imke Heymann,  Dr. Volker Wrede für den Geopark Ruhrgebiet und den Geologischen Dienst NRW sowie Alexander Platte vom VDHK.

Der 1. Vorsitzende des AKKH Stefan Voigt führte durch 40 erfolgreiche Jahre Höhlenforschung, Natur- und Umweltschutz.

Dem Anlass entsprechend wurden die 4 verbliebenen Gründungsmitglieder des Vereins geehrt.

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Bereits vor 40 Jahren waren Renate Hülsenbeck, Lothar Kruse, Rolf-Holger Lehmann und Günter Lintl (v.l.n.r.) dabei als der Verein gegründet wurde. Sie wurden geehrt von Stefan Voigt (2.v.r.)

Anschließend wurde als Jubiläums-Veröffentlichung ein Buch über die Kückelhauser Kluterthöhle vorgestellt. https://akkhev.wordpress.com/2016/12/01/neu-erschienen-die-kueckelhauser-kluterthoehle-in-hagen/

Zum Abschluss des gelungenen Festaktes zeigte Günter Lintl historische Fotos aus den Anfangsjahren des Arbeitskreises Kluterthöhle e. V.

 

 

 

Neu erschienen – Die Kückelhauser Kluterthöhle in Hagen

Nur wenige Höhlen haben so viel zu bieten, dass man gleich ein ganzes Buch über sie schreibt. Die Kückelhauser Kluterthöhle ist eine davon. Zum Jubiläum „40 Jahre Arbeitskreis Kluterthöhle e .V.“ ist soeben die Monografie über die „andere“ Kluterthöhle erschienen. Gleichzeitig wird damit auch das zuletzt im Jahr 2000 erschienene Mitteilungsblatt zur Karst- und Höhlenkunde in NRW „Der AntiBerg“ mit der Ausgabe Nr. 72 zu neuem Leben erweckt.

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Schwerpunktthemen

  • Die Kulturgeschichte der Kückelhauser Kluterthöhle
  • Geologie und Speläogenese
  • Das Klima der Kückelhauser Kluterthöhle

Die Texte werden ergänzt durch 108 Abbildungen und Pläne.
Format: DIN-A4, 131 Seiten, komplett farbig

Zu Bestellen ist die Monografie direkt auf der Vereins-Homepage akkh.de unter „Veröffentlichungen“ zum Preis von 12,- € einschließlich Versandkosten. Erhältlich ist das Buch auch im Geopark-Center an der Kluterthöhle in Ennepetal und im gut sortierten, örtlichen Buchhandel: Bücher Bochhammer (Ennepetal), Buchhandlung Appelt (Gevelsberg), Bücher Köndgen (Schwelm), Buchhandlung am Rathaus (Hagen), Buchhandlung Kersting (Hagen), Quadrox Buchladen (Hagen), Hohenlimburger Buchhandlung (Hagen), Bücherstube Draht (Wetter), Buchhandlung Herdecke

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Geotop und Höhlenpark Ziegenburg freigelegt

Die meisten Höhlen bleiben aus guten Gründen für Besucher verschlossen und zeigen sich nur mit mehr oder weniger gut versteckten Eingangstoren. Selten besteht die Gelegenheit, auch von außen Phänomene der Verkarstung, Tektonik, Geologie und Petrografie zu beoabchten. Dies wird nun am Hang der 2015 und 2016 neu entdeckten Ziegenburghöhlen in Wuppertal durch die Freilegung der Gesteinswand realisiert.

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Nur wenig  war von den Gesteinsschichten bislang am Hang der Ziegenburghöhlen zu sehen

Nachdem das Gelände durch den AKKH von der Stadt Wuppertal gepachtet wurde, konnte als weiterer Schritt im Rahmen einer geförderte Maßnahme die Freilegung des Geotops und damit des ca. 385 Millionen Jahre alten Riffes beauftragt werden.

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Schweres Gerät – mit großem Geschick geführt – ist erforderlich, um den Hang freizulegen

An dem Hang unterhalb der Ziegenburg befindet sich die einzige Stelle am Hardtberg, wo der Kalkstein – hier bedingt durch den Einschnitt vom Neuenteich – direkt aufgeschlossen ist. Auf der nördlichen (im Bild linken) Seite befindet sich die Ziegenburghöhle I mit einer Sandsteinschicht, die die Decke der Höhlengänge bildet sowie dem darunter liegenden Kalkstein. Die in der Höhle nach Süden (rechts) führenden Gänge enden abrupt in einem verstürzten Bereich, der im Bild halblinks gut zu erkennen ist. Erst einige Meter weiter südlich (in Bildmitte) beginnt wieder eine stabile Gesteinsschichtung mit Kalkstein und darüber liegendem Sandstein. Ganz rechts findet man im Liegenden wieder Sandstein.

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Freie Sicht auf den Hang und die einzelnen Schichtglieder sowie deren Zustand

Die Ziegenburghöhle I hat derzeit eine Ganglänge von 52 m und verläuft mit einem Hauptgang Richtung Nordosten, der, stark bewettert aber enger werdend, noch auf seine Bezwinger wartet. Mehrere Seitengänge führen bis zum Versturz Richtung Südosten.

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Direkt über dem Tor der Ziegenburghöhle I ist die Sandsteinschicht zu erkennen. Sie bildet die Decke des Ganges, der direkt hinter dem hier zu sehenden Gestein liegt. Rechts unten die verkarstete Wand eines Höhlenganges, der dort nicht mehr erhalten ist.

Die Ziegenburghöhle II ist dem verstürzten Bereich etwas vorgelagert und besteht aus einem kurzen, erhalten gebliebenen Gang im Kalkstein. Durch die Freilegung ist der Gang bzw. die Höhle nun auch zum Teil von außen zu erkennen. Der Gang endet im weiteren Verlauf in einer kleinen Kammer, die von Blockwerk umgeben ist. Hier konnte im Sommer eine starke Bewetterung mit hohem CO2-Anteil festgestellt werden.

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Den Höhlengang der Ziegenburghöhle II kann man auf dem ersten Meter nach der Freilegung jetzt auch von außen sehen
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Umgeben von Sandsteinblöcken wären am Ende der Ziegenburghöhle II weitere Explorationsbestrebungen gewiss unklug. Der Bereich kann jedoch jetzt über die Ziegenburghöhle III umfahren werden.

Im wieder stabilen südlicheren Bereich wurde in diesem Jahr die Ziegenburghöhle III aufgegraben. Sie ist im Vergleich zur Höhle I leider fast vollständig verlehmt. Ein bereiter Gang führt dort nach Osten. Richtung Nordosten verläuft ein Gang entlang der Schnittstelle zwischen dem stabilen und dem gebrochenen Bereich, der derzeit aufgegraben wird. Hier besteht nun auch Ruf- und Luftverbindung zur Höhle II.

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Die Ziegenburghöhle III setzt direkt am Rand der stabilen und stark zerlaugten Kalksteinschicht an.

Das Gesamtbild aus den vorhandenen und ehemaligen Höhlengängen lässt die für den Hardtberg bzw. die Oberen Honsel-Schichten typische labyrinthische Struktur von Höhlengängen erkennen. Es gibt keinen Grund, warum diese nicht weiter in den Berg ziehen sollten…

NRW beschließt Biotopschutz für Höhlen

Am heutigen Mittwoch wurde das neue Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) mit den Stimmen der Fraktionen von SPD und GRÜNE im Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Sozusagen im letzten Moment ist dabei der Schutz von Höhlen als Biotope in das Gesetz aufgenommen worden – denn der von der NRW-Landesregierung vorgelegte Gesetzesentwurf hatte diese Forderung der NRW-Höhlenforscher und der Umweltverbände BUND, LNU und NABU nicht berücksichtigt. Doch die Volksvertreter der Regierungsfraktionen im Umweltausschuss standen den guten Argumenten der Naturschützer offen gegenüber und haben für die 2. Lesung die Änderung in das Plenum eingebracht. Damit können – wie schon bis 2007 nach dem Landschaftsgesetz – Höhlen in NRW wieder als Biotope unter Schutz gestellt werden. Ein Erfolg für die Tiere und deren Lebensräume, die im Verborgenen blühen und nur selten von der Öffentlichkeit beachtet werden.

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Fledermäuse – ja klar – aber auch andere Tiere wie hier Meta menardi, die Große Höhlenspinne, wollen geschützt sein

Eine weitere, für die Höhlenforscher interessante Neuerung im LNatSchG ist die rechtliche Grundlage dafür, nun auch in NRW Nationale Naturmonumente nach § 24 Abs. 4 BNatSchG auszuweisen. Damit können Höhlen von herausragender Bedeutung als Nationale Naturmonumente geschützt werden.

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Durch 385 Millionen Jahre alte Korallen- und Stromatoporenriffe wandeln – die Kluterthöhle in Ennepetal – eine heiße Kandidatin als Nationales Naturmonument