Archiv für den Monat April 2015

Sensation im Hardtberg – Tiefe Hardthöhle wächst zur Mittelhöhle an

Die bislang nur als 5 m Kleinhöhle bekannte Tiefe Hardthöhle im Stollen unter der Hardt in Wuppertal konnte durch mehrere Einsätze in den letzten Wochen auf nunmehr etwa 60 m erforscht werden. Am Samstag, den 18. April gelang dabei mit der Befahrung eines Hauptgangs in westlicher Richtung der bislang größte Schritt für die Höhlenforscher vom Arbeitskreis Kluterthöhle. Durch einen Seiteneinstieg über einen engen Schacht konnte der Hauptgang Richtung Stollen auch von der zweiten Seite erweitert werden, so dass nun auch ein direkter Zugang vom Hardtstollen möglich ist. Dazu erklärt der Vorsitzende des AKKH Stefan Voigt: „Was nun wie ein leichter Erfolg aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen überhaupt die Betreuung und die Forschungserlaubnis für dieses Objekt zu bekommen. Dabei zahlt sich die kontinuierliche, jahrzehntelange Arbeit des Arbeitskreises aus, mit der wir uns das Vertrauen der offiziellen Stellen in der Region erarbeitet haben. Wenn ich zudem an einige Projekte der letzten Jahre denke, wie dem Rasenmäher-Erdfall in Gummersbach und dem Hackerloch in Ennepetal war es mehr als verdient und überfällig, auch mal auf ausgedehnte offene Gänge zu stoßen.“

Hardtstollen, Wuppertal, AKKH,
An mehreren Stellen gleichzeitig arbeiten sich die Höhlenforscher vom Stollen aus weiter in den Hardtberg vor. Foto: Günter Lintl

Eine Besonderheit der Tiefen Hardthöhle ist, dass Sie bis zum Anschnitt durch den Tunnelvortrieb vor knapp 50 Jahren – nur ein Wimpernschlag für ein Höhlenleben – unter Wasser stand. Entsprechend sind die meisten Gänge am Boden hoch mit nassem, klebrigem Lehm bedeckt.

Hardtstollen, Wuppertal, AKKH,
Ob die Höhlenforscher hier über die Gangprofile oder andere Größen berichten, ist nicht abschließend geklärt. Die Verschmutzung der Schlaze lässt zumindest die üppige Lehmverfüllung erahnen. Foto: Günter Lintl

Für weitere Entdeckungen wäre es wünschenswert, dass sich die Höhle über den ehemaligen Karstwasserspiegel hinaus öffnet, um auf weniger verlehmte Gänge zu stoßen. Der neue Hauptgang gab durch seinen leichten, stetigen Anstieg dazu zunächst Anlass zur Hoffnung. Doch vorerst endet der Gang in einer fast vollständigen Lehmverfüllung. Bewetterung im Gang werten die Höhlenforscher als Indiz dafür, dass es noch weiter geht.

Hardtstollen, Wuppertal, AKKH,
Der Ausbau des Stollens dient derzeit als „Ersatzboden“ für die dort nicht mehr vorhandene Sohle. Foto: Günter Lintl
Hardtstollen, Wuppertal, AKKH,
Einige Nebengänge sind so eng, dass Man(n) sie nur unter größter Mühe befahren kann. Dass der AKKH dort als Kompensation junge Nachwuchsforscher einsetzt, ist jedoch nur ein Gerücht. Foto: Günter Lintl

Im Stollen konnte nun auch mittels Versorgung durch ein mobiles Stromaggregat die Beleuchtung in Betrieb gesetzt und die geplante Säuberung der Kalksteinwände vorbereitet werden.

Hardtstollen, Wuppertal, AKKH,
Die Beleuchtung des Stollens lässt seine Ausdehnung erst richtig erahnen. Foto: Günter Lintl

Frauenquote gefährdet Gemeinnützigkeit der Höhlenvereine

Dem Vernehmen nach plant die Bundesregierung nach Einführung einer Frauenquote in Unternehmen auch einen Eingriff in das Vereins- und Steuerrecht. Vereinen soll die Gemeinnützigkeit entzogen werden, wenn im Vorstand und unter den Mitgliedern nicht eine Mindestfrauenquote – geplant sind wohl 30% – erreicht wird. Auch soll eine Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in gemeinnützigen Vereinen obligatorisch werden.

Stefan Voigt, Vorsitzender des gemeinnützigen Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. äußert sich dazu ungehalten: „Ich frage mich, welche Vollpfosten sich das nun wieder ausgedacht haben. Bei uns ist jede und jeder willkommen, wenn die notwendige Leidenschaft für die Höhlenforschung mitgebracht wird. Die Verteilung der Geschlechter kann man nicht von oben herab bestimmen. Gerade erst mussten wir hinnehmen, dass Inge Friedl nicht mehr für den Vorstand kandidiert. Ich ganz persönlich habe schon für weiblichen Höhlenforschernachwuchs gesorgt* und versuche  dem Zeitgeist gerecht zu werden, wenn ich etwa in Mails an unsere Mitglieder die gegenderte Anrede „Hallo Mädels“ verwende.“

Auch der Vorsitzende des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung Nordrhein-Westfalen e.V. Dr. Carsten Ebenau zeigt sich überrascht und kündigt Widerstand an: „Die Höhlenforscherinnen und Höhlenforscher unserer Mitgliedsvereine leisten in ihrer Freizeit ehrenamtlich einen wertvollen Beitrag für den Naturschutz. Es kann doch nicht sein, dass die Gemeinnützigkeit davon abhängig gemacht wird, ob dabei Frauen oder Männer diese unentgeltlichen Leistungen für die Gemeinschaft erbringen. Die Landesverbände und der VdHK sind nun aufgerufen, sich frühzeitig und energisch gegen solche Pläne zu stemmen.“

Wir werden das Thema weiter verfolgen und zu gegebener Zeit berichten.

* Anmerkung der Redaktion: Stefan Voigt ist Vater zweier Töchter.

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Hier hat Stefan Voigt noch gute Laune. Demnächst soll eine Gleichstellungsbeauftragte auch bei Grabungen auf Ausgeglichenheit der Geschlechter achten: Wenn der Schlitten, der Geißfuß und der Klappspaten eingesetzt werden, müssen dann auch die Spitzhacke, die Schaufel und die Schubkarre dabei sein?