Großhöhle in der Attendorner Kalkmulde

Die Forschungsarbeiten in der Wasserhöhle in der Attendorner Kalkmulde wurden seit dem letzten Bericht (Höhlentauchgang Attendorn) sehr erfolgreich fortgeführt.

Mit der Vermessung von bisher 528m Ganglänge, Stand 14.05.2017, ist die Höhle offiziell eine Großhöhle!

Dazu wurden seit dem 03.12.2016 bisher insgesamt 9 Befahrungen durchgeführt. Nach einer Winterpause – bedingt durch Wassertemperaturen von 6°C, leichtes Hochwasser und sehr trübes Wasser mit Sichtweiten von ca. 20cm – wird seit April wieder aktiv an der Erkundung gearbeitet. Dabei konnte der unterirdische Bachlauf auf eine Strecke von 160m in den Berg verfolgt werden. Bis dahin müssen 13 teilweise extrem enge Siphone durchtaucht werden. Auf dem Weg in die Höhle ist es nicht einfach mit der ganzen Ausrüstung durch diese Engstellen zu tauchen. Auf dem Rückweg wird es deutlich schwieriger, da selbst der führende Taucher durch aufgewirbelten Lehm kaum noch etwas sehen kann.

Taucher SK02
„Gute“ Sicht beim Tauchen auf dem Hinweg

Begünstigt durch die angenehmere Wassertemperatur von zur Zeit 9°C konnten jetzt große Teile der Höhle vermessen werden. Der Höhlenbach folgt bis ca. 85m einem niedrigen Gang, unterbrochen von 6 Siphonen und zwei größeren Kammern bei 12m und 25m. Ab 85m führen Abzweige aus dem Wasser in Trockenbereiche. Schon im niedrigen Bachgang sind einige schöne Sinterformationen, teils als Excentriques, zu finden. In den Trockenbereichen ist die Sinterbildung deutlich stärker ausgeprägt.

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Bachgang, mit typischer Deckenhöhe

Ab 95m erreicht der Bachgang eine Deckenhöhe von über 10m und erweitert sich zu einer großen Halle mit beeindruckenden Sinterformationen. Dahinter führt der Bachgang mit allgemein niedriger Deckenhöhe durch weitere Siphone. Ab hier ist er meist von Trockengängen überlagert. Einige der Tauchstellen können daher auch trocken umgangen werden. Dies ist aber (bisher ?) nicht überall möglich.

110m - Wasserfall, SK unter2_1
Sinterhalle, bei 110m

Im Bereich der letzten zwei Siphone, S-12 und S-13 bei 140m bis 160m des Bachgangs, wurde jetzt eine trockene Umgehung mittels einer Drahtseilleiter eingebaut. Diese Siphone sind aufgrund ihrer Enge für den Rückweg problematisch. Jetzt können sie notfalls umgangen werden. Schon auf dem Hinweg hatten wir hier einige Materialschäden und Verluste von Ausrüstung zu beklagen.

Umgehung SK
Umgehung von Siphon 12 und 13, Schacht mit Drahtseilleiter

Der Bachgang endet zur Zeit in einer Pool-Halle bei 160m Hauptgang-Länge. In diesen Pool fließt frisches Wasser nach, aber bisher konnte keine passierbare Fortsetzung gefunden werden. Durch die recht große Wassertiefe von über 3m ist hier die Strömungsgeschwindigkeit sehr gering. Aufgewirbelter Lehm verteilt sich schnell und trübt die Sicht komplett ein. Durch Tasten konnte ein weiterführender Gang gefunden werden, der erstaunlicherweise steil nach unten führt, auf eine aktuelle Maximaltiefe von 8,9m. Die Gangrichtung konnte leider nicht ertastet werden 🙂

Die Pool-Halle hat eine Deckenhöhe von ca. 10m und erlaubt über eine Lehmrutsche den Weg aus dem Wasser. Dieser Weg führt gewunden steil nach oben. Bis zu einer Höhe von 8m kann man noch das Wasser sehen. Danach verlagert sich der Aufstieg seitlich und führt durch beeindruckende Tropfsteinbereiche steil weiter nach oben, auf ca. 25m über den Wasserspiegel.

Hier, am höchsten bisher gefundenen Punkt, erreicht man eine größere Kammer, deren Decke teilweise instabil aussieht. Ein hier positionierter Pinger (Lawinensuchgerät) konnte vom trockenen Forscherteam von draußen angepeilt werden. Die Position der Peilung stimmte überraschend gut mit der Vermessung der Gänge überein und ergab eine Überdeckung von ca. 6m.

Die Überraschung bezüglich der Vermessungsqualität beruht auf den problematischen Vermessungsbedingungen. Im Bachgang, bei einer Deckenhöhe (über Wasser) von oft nur 30-40cm, ist eine Präzisionsvermessung schwierig. Auf den Tauchstrecken, bei Sichtweiten von weniger als 1m, wird es noch schlechter. Die eingesetzten Messinstrumente müssen komplett wasserdicht sein. Verwendet wurden elektronische Tauchcomputer und ActionCams mit integriertem Kompass. Die Messqualität der eingesetzten Geräte ist normalerweise eher für die grobe Orientierung gedacht.
Siehe dazu auch Vermessung, weiter unten.

Von der Dachkammer führt ein breiter Gang steil nach unten, in eine große Halle, ca. 20x25m mit einer geschätzten Deckenhöhe von 15-20m. Der Hallenboden besteht aus großen bis riesigen Versturzblöcken und liegt ca. 14m über dem Wasserspiegel. In weiten Bereichen ist ein Kellerbereich unterlagert, der durch Spalten zwischen den Blöcken erreicht werden kann, bis zu 7m tiefer liegt und neben Kriechgängen auch größere Räume bietet.

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Panorama_Grosse_Halle
180° Panorama-Ansicht (W-N-O) der Großen Halle, Eingang in Bildmitte

Wie die Vermessung – zu unserer Überraschung – zeigte liegt der ganze Bereich der Großen Halle direkt über dem Bachgang.

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Neben der Vermessung wurden auch Kleintier-Skelette dokumentiert und Proben für die Speläo-Biologie genommen.

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Das Oberflächenteam versucht parallel zu diesen Arbeiten einen trockenen Eingang in die höher liegenden Bereiche zu finden. In der näheren Umgebung gibt es einige kleine Höhlen und ein paar vielversprechende geologische Formationen. Die Suche blieb bisher leider ohne Erfolg.

Die Arbeiten gehen auf jeden Fall weiter, es bleibt sehr spannend!

Eine Kooperation von Speläogruppe Letmathe (SGL) und Arbeitskreis Kluterthöhle (AKKH)

Fotos: Tom Schäder, Stephan Schild

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