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Neu erschienen – Die Kückelhauser Kluterthöhle in Hagen

Nur wenige Höhlen haben so viel zu bieten, dass man gleich ein ganzes Buch über sie schreibt. Die Kückelhauser Kluterthöhle ist eine davon. Zum Jubiläum „40 Jahre Arbeitskreis Kluterthöhle e .V.“ ist soeben die Monografie über die „andere“ Kluterthöhle erschienen. Gleichzeitig wird damit auch das zuletzt im Jahr 2000 erschienene Mitteilungsblatt zur Karst- und Höhlenkunde in NRW „Der AntiBerg“ mit der Ausgabe Nr. 72 zu neuem Leben erweckt.

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Schwerpunktthemen

  • Die Kulturgeschichte der Kückelhauser Kluterthöhle
  • Geologie und Speläogenese
  • Das Klima der Kückelhauser Kluterthöhle

Die Texte werden ergänzt durch 108 Abbildungen und Pläne.
Format: DIN-A4, 131 Seiten, komplett farbig

Zu Bestellen ist die Monografie direkt auf der Vereins-Homepage akkh.de unter „Veröffentlichungen“ zum Preis von 12,- € einschließlich Versandkosten. Erhältlich ist das Buch auch im Geopark-Center an der Kluterthöhle in Ennepetal und im gut sortierten, örtlichen Buchhandel: Bücher Bochhammer (Ennepetal), Buchhandlung Appelt (Gevelsberg), Bücher Köndgen (Schwelm), Buchhandlung am Rathaus (Hagen), Buchhandlung Kersting (Hagen), Quadrox Buchladen (Hagen), Hohenlimburger Buchhandlung (Hagen), Bücherstube Draht (Wetter), Buchhandlung Herdecke

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Geotop und Höhlenpark Ziegenburg freigelegt

Die meisten Höhlen bleiben aus guten Gründen für Besucher verschlossen und zeigen sich nur mit mehr oder weniger gut versteckten Eingangstoren. Selten besteht die Gelegenheit, auch von außen Phänomene der Verkarstung, Tektonik, Geologie und Petrografie zu beoabchten. Dies wird nun am Hang der 2015 und 2016 neu entdeckten Ziegenburghöhlen in Wuppertal durch die Freilegung der Gesteinswand realisiert.

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Nur wenig  war von den Gesteinsschichten bislang am Hang der Ziegenburghöhlen zu sehen

Nachdem das Gelände durch den AKKH von der Stadt Wuppertal gepachtet wurde, konnte als weiterer Schritt im Rahmen einer geförderte Maßnahme die Freilegung des Geotops und damit des ca. 385 Millionen Jahre alten Riffes beauftragt werden.

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Schweres Gerät – mit großem Geschick geführt – ist erforderlich, um den Hang freizulegen

An dem Hang unterhalb der Ziegenburg befindet sich die einzige Stelle am Hardtberg, wo der Kalkstein – hier bedingt durch den Einschnitt vom Neuenteich – direkt aufgeschlossen ist. Auf der nördlichen (im Bild linken) Seite befindet sich die Ziegenburghöhle I mit einer Sandsteinschicht, die die Decke der Höhlengänge bildet sowie dem darunter liegenden Kalkstein. Die in der Höhle nach Süden (rechts) führenden Gänge enden abrupt in einem verstürzten Bereich, der im Bild halblinks gut zu erkennen ist. Erst einige Meter weiter südlich (in Bildmitte) beginnt wieder eine stabile Gesteinsschichtung mit Kalkstein und darüber liegendem Sandstein. Ganz rechts findet man im Liegenden wieder Sandstein.

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Freie Sicht auf den Hang und die einzelnen Schichtglieder sowie deren Zustand

Die Ziegenburghöhle I hat derzeit eine Ganglänge von 52 m und verläuft mit einem Hauptgang Richtung Nordosten, der, stark bewettert aber enger werdend, noch auf seine Bezwinger wartet. Mehrere Seitengänge führen bis zum Versturz Richtung Südosten.

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Direkt über dem Tor der Ziegenburghöhle I ist die Sandsteinschicht zu erkennen. Sie bildet die Decke des Ganges, der direkt hinter dem hier zu sehenden Gestein liegt. Rechts unten die verkarstete Wand eines Höhlenganges, der dort nicht mehr erhalten ist.

Die Ziegenburghöhle II ist dem verstürzten Bereich etwas vorgelagert und besteht aus einem kurzen, erhalten gebliebenen Gang im Kalkstein. Durch die Freilegung ist der Gang bzw. die Höhle nun auch zum Teil von außen zu erkennen. Der Gang endet im weiteren Verlauf in einer kleinen Kammer, die von Blockwerk umgeben ist. Hier konnte im Sommer eine starke Bewetterung mit hohem CO2-Anteil festgestellt werden.

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Den Höhlengang der Ziegenburghöhle II kann man auf dem ersten Meter nach der Freilegung jetzt auch von außen sehen
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Umgeben von Sandsteinblöcken wären am Ende der Ziegenburghöhle II weitere Explorationsbestrebungen gewiss unklug. Der Bereich kann jedoch jetzt über die Ziegenburghöhle III umfahren werden.

Im wieder stabilen südlicheren Bereich wurde in diesem Jahr die Ziegenburghöhle III aufgegraben. Sie ist im Vergleich zur Höhle I leider fast vollständig verlehmt. Ein bereiter Gang führt dort nach Osten. Richtung Nordosten verläuft ein Gang entlang der Schnittstelle zwischen dem stabilen und dem gebrochenen Bereich, der derzeit aufgegraben wird. Hier besteht nun auch Ruf- und Luftverbindung zur Höhle II.

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Die Ziegenburghöhle III setzt direkt am Rand der stabilen und stark zerlaugten Kalksteinschicht an.

Das Gesamtbild aus den vorhandenen und ehemaligen Höhlengängen lässt die für den Hardtberg bzw. die Oberen Honsel-Schichten typische labyrinthische Struktur von Höhlengängen erkennen. Es gibt keinen Grund, warum diese nicht weiter in den Berg ziehen sollten…

NRW beschließt Biotopschutz für Höhlen

Am heutigen Mittwoch wurde das neue Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) mit den Stimmen der Fraktionen von SPD und GRÜNE im Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen verabschiedet. Sozusagen im letzten Moment ist dabei der Schutz von Höhlen als Biotope in das Gesetz aufgenommen worden – denn der von der NRW-Landesregierung vorgelegte Gesetzesentwurf hatte diese Forderung der NRW-Höhlenforscher und der Umweltverbände BUND, LNU und NABU nicht berücksichtigt. Doch die Volksvertreter der Regierungsfraktionen im Umweltausschuss standen den guten Argumenten der Naturschützer offen gegenüber und haben für die 2. Lesung die Änderung in das Plenum eingebracht. Damit können – wie schon bis 2007 nach dem Landschaftsgesetz – Höhlen in NRW wieder als Biotope unter Schutz gestellt werden. Ein Erfolg für die Tiere und deren Lebensräume, die im Verborgenen blühen und nur selten von der Öffentlichkeit beachtet werden.

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Fledermäuse – ja klar – aber auch andere Tiere wie hier Meta menardi, die Große Höhlenspinne, wollen geschützt sein

Eine weitere, für die Höhlenforscher interessante Neuerung im LNatSchG ist die rechtliche Grundlage dafür, nun auch in NRW Nationale Naturmonumente nach § 24 Abs. 4 BNatSchG auszuweisen. Damit können Höhlen von herausragender Bedeutung als Nationale Naturmonumente geschützt werden.

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Durch 385 Millionen Jahre alte Korallen- und Stromatoporenriffe wandeln – die Kluterthöhle in Ennepetal – eine heiße Kandidatin als Nationales Naturmonument

Neuentdeckung und Umweltschutz in Wuppertal

Der Umwelt- und Naturschutz genießt bei den Höhlenforschern einen hohen Stellenwert. Dass dies gut mit der größten Leidenschaft – der Suche nach neuen Höhlen – zusammenpasst, konnten die Mitglieder des AKKH am letzten Samstag wieder beweisen. Am Fuße eines unter Naturschutz stehenenden, alten Kalksteinbruches im Wuppertaler Stadtteil Rittershausen erfolgte durch großes Engagement zahlreicher Mitglieder die Entmüllung und Renaturisierung des Geländes. Hier war es in zurückliegenden Jahrzehnten zu „wilden Besiedlungen“ und der Entsorgung von Müll gekommen.

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Auch vor der Ziegenhöhle war der Müll verteilt. Foto: M. Herrmann

In der Ziegenhöhle (der bislang einzigen dort bekannten Höhle) hatte bereits am Freitag im Rahmen eines aus Naturschutzmitteln finanzierten Projektes, eine Firma die Säuberung und Sicherung sowie den Einbau eines Höhlentors übernommen.

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Blick aus der Ziegenhöhle durch das offene Höhlentor. Foto: U. Brämer

In zwei bereitgestellten Containern wurde durch die AKKH-Mitglieder der gesammelte Müll entsorgt. Am Ende des Tages waren die 17 m³ Inhalt voll gefüllt mit Abfällen aller Art.

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Viel Handarbeit war nötig, … Foto: G. Lintl
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… um 17 m³ Müll in die Container zu füllen. Foto: U. Brämer

Einem alten Bericht zufolge sollte eine weitere Höhle am Felshang existieren. Somit wurde die Durchforstung der Sedimente nach Abfällen mit der Höhlensuche verbunden. Der zur Verfügung stehende Bagger lieferte dabei wertvolle Dienste.

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Und plötzlich tut sich die Erde auf. Foto: U. Brämer

Tatsächlich konnte schließlich einige Meter südlich der Ziegenhöhle in der selben Schichtfuge der Zugang zu einer weiteren Höhle freigelegt werden.

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Die Höhlenforscher warten gespannt darauf, … Foto: U. Brämer
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… dass der „Indiana Jones des Sauerlandes“ den Weg in die Höhle ebnet. Foto: A. Nau

Neben eines schmalen Ganges in Kluftrichtung verläuft auch in dieser Höhle etwa rechtwinkelig dazu ein Höhlengang in der Schichtfuge. Derzeit hat die Höhle eine Länge von ca. 10 m und muss noch weiter erforscht werden. Dabei ist jetzt schon klar, dass die Neuentdeckung eigentlich eine Wiederentdeckung ist. Denn eine alte Abwasserleitung, welche vermutlich Niederschlagswasser ableiten sollte, reichte bis in die Höhle hinein.

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Blick in den Schichtfugengang. Foto. M. Herrmann

 

Blätterhöhle – Grabungen gehen weiter

Auch nach 10 Jahren archäologischer Forschungen gehen im nächsten Jahr die Grabungen an und in der Blätterhöhle in Hagen weiter. Am letzten Freitag, den 30.09.16, veranstaltete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) dazu an der Höhle eine Pressekonferenz. Pressemitteilung: http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=40165

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Auch der AKKH war mit Lothar Kruse und Günter Lintl am Freitag vor Ort.

Die umfangreichen Erkenntisse aus der Blätterhöhle wären allerdings nie möglich gewesen, wenn die Höhlenforscher des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. im Jahr 2004 nicht so beharrlich geblieben wären. Denn zunächst hatten die zuständigen Stellen abgewunken und die Bedeutung der Funde nicht erkannt. Genauere Untersuchungen der Knochen lieferten dann den Beweis und lösten die bis heute laufenden archäologischen Grabungen aus.

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Lothar Kruse (2.v.l.) vom AKKH und der langjährige Projektleiter Dr. Jörg Orschiedt (rechts) Fotos: Günter Lintl

Tag des Geotops 2016 in der Hardtkaverne

Am letzten Wochenende – dem dritten im September –  fand der bundesweite Tag des Geotops statt. Wie bereits im letzten Jahr öffnete der gemeinnützige Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. wieder die Hardtkaverne für Besucher. Bei insgesamt 9 Führungen konnten ca. 190 Interessierte einen Einblick in den Hardtberg gewinnen.

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Direkt gegenüber dem Gerüst der Schwebebahn geht es in den Aufschlussstollen. Foto: M. Herrmann
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Für den Tag des Geotops wurde die Beleuchtung in Betrieb genommen. Foto. Wildfire
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In der großen Kaverne sollten ursprünglich Flugzeugturbinen zur Stromerzeugung aufgestellt werden. Foto: Wildfire
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Bis unter den Bismarckturm wurde die unterirdische Anlage gegraben. Foto: M. Herrmann

 

 

Überraschend neue Höhle im Sauerland gefunden

In den von Grauwacke und Tonschiefer beherrschten Honsel-Schichten ist  verkarstungsfähiger Kalkstein nur in geringer Ausdehnung zu finden. Doch gerade in diesen Kalklinsen hat die Natur oft zahlreiche Höhlengänge geformt, die wie im Klutertberg in Ennepetal oder dem Hardtberg in Wuppertal in Summe mehrere Kilometer erreichen können. Dass diese Kalklinsen gefunden werden, hängt meist vom Zufall ab. Wie vor einigen Tagen im sauerländischen Altenaffeln, als sich ganz im Osten der Honsel-Schichten bei einer Baumaßnahme plötzlich ein Zugang in die Unterwelt auftat. Nachdem klar wurde, dass es sich um eine Höhle handelt, wurde ähnlich wie zuletzt in Kierspe https://akkhev.wordpress.com/2016/05/02/neuentdeckung-in-kierspe/ der bekannte Ennepetaler Höhlenforscher Stefan Voigt hinzugezogen, der direkt über 50 Meter der neuen Höhle befahren konnte.

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Blick nach draußen – kaum mehr als einen Meter unter der Grasnarbe wurde der Eingang zur Höhle gefunden. Foto: U. Brämer / AKKH

Am letzten Samstag erfolgte durch eine Gruppe des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. eine weitere Befahrung. Nachdem ein erster Teil der Höhle vermessen und fotodokumentiert wurde, konnte weiteres Neuland entdeckt werden, so dass die Höhle jetzt eine Ganglänge von ca. 100 Metern aufweist.

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Die Höhle weist eindrucksvolle Laugformen und wie so oft in den Honsel-Schichten eine labyrinthartige Struktur auf, was die Vermessung aufwändiger macht. Foto: U. Brämer / AKKH

Nach den Ergebnissen der  Vermessung ist im  Bereich der Baugrube eine Stabilisierung erforderlich. Die Höhle kann aber erhalten bleiben.

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Die typischen Fossilien der Riffe des oberen Mitteldevons sind in der Höhle zahlreich vertreten. Foto: U. Brämer / AKKH
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Auch verschiedenste Versinterungen sind vorhanden. Foto: U. Brämer / AKKH

Die Eigentümer werden der Höhle nun ihren Namen geben. Der Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. übernimmt die Betreuung und wird die Höhle weiter vermessen und erforschen. An mehreren Stellen können sich noch Fortsetzungen ergeben.

 

Neuland in der Wildenkuhle

Am letzten Samstag war eine Forschergruppe des AKKH in die erst kürzlich entdeckte Wildenkuhle in Kirspe zu Vermessungsarbeiten aufgebrochen. Der Forscherdrang führte dann jedoch an einer bislang nicht bezwungenen Stelle zur Entdeckung weiteren Neulands. Die neuen Höhlenteile sind stark versintert, so dass nur mit großer Vorsicht befahren werden kann.

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Glasklarer Sinter, der ganze Bereiche überzieht. Foto: Andreas Nau

 

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Foto: Andreas Nau

Einige Gänge wurden mit Rücksicht auf den Höhlenschmuck zunächst nicht weiter befahren. Es sind in der nächsten Zeit also noch weitere Entdeckungen zu erwarten.

 

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Verlehmte Schlaze und unberührter Sinter erfordern die ganze Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit der Höhlenforscher.  Foto: Andreas Nau

Neuentdeckung in Kierspe

Wenn sich in den Karstgebieten des Bergischen Landes oder des westlichen Sauerlandes mal wieder irgendwo die Erde auftut, wird meist der bekannte Ennepetaler Höhlenforscher Stefan Voigt um Rat gefragt. So auch in der letzten Woche, als auf einer Baustelle in Kierspe (Märkischer Kreis) ein Erdfall den Blick in den Untergrund freigab. Eine von oben sichtbare abzweigende Öffnung machte direkt Hoffnung auf mehr. Am Donnerstag gelang es Stefan und weiteren Höhlenforschern des Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. nach kurzem Einsatz in die neue Höhle vorzudringen. Schnell wurde klar, dass es sich um eine labyrinthische, ausgedehnte Höhle mit mehr als hundert Metern Ganglänge und weiteren Fortsetzungen handelt.

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Herrliche Profile, Fossilien und Lehmformen .Foto: A. Kolarik
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Auch schöne Tropfsteine und weitere Versinterungen sind in der Höhle zu finden. Foto: A. Kolarik

Genauso wichtig wie die Entdeckung einer Höhle ist deren Erhalt und Sicherung, so dass bereits zwei Tage später ein dauerhafter Zugang zur „Wildenkuhle“, wie die Höhle von ihrem Entdecker genannt wurde, hergestellt werden konnte. Somit kann die Wildenkuhle zukünftig weiter erforscht werden und dauerhaft erhalten bleiben.

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Da der natürliche Eingang zur Höhle unterhalb der Geländeoberfläche liegt, musste ein Zugangsschacht hergestellt werden. Foto: J. Wegener
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Das genaue Setzen der Schachtringe bleibt „Chefsache“. Foto: J.Wegener
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Die Schachtringe sind auf dem Fels mit einer Betonblombe umschlossen. Foto: J.Wegener
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Ein „Ennepetaler Höhlentor“ gewährleistet den sicheren Abschluß des Eingangsschachtes. Foto: S.Voigt

Nichts als Höhlen – Höhlen als Nichts

Auf der Jahreshauptversammlung des gemeinnützigen Arbeitskreises Kluterthöhle e.V. wurde am 15.04.16 von unserem Kameraden Detlef Wegener ein Antrag gestellt, der aus nicht genauer belegten Gründen nicht angenommen wurde. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung für die Speläologie ist der Antrag hier nachzulesen:

Antrag auf Änderung des Vereinsnamens

Detlef Wegener

 Vorbemerkung:

Höhlenforschung ist bekannter Weise eine interdisziplinäre Wissenschaft. Dass Geologie, Biologie, Hydrologie und so fort Teilbereiche der Höhlenforschung sind, ist hinlänglich bekannt. Da die Geisteswissenschaften meines Erachtens in diesem Themenbereich deutlich unterrepräsentiert sind, habe ich mich der Speläologie aus Sicht der Philosophie genähert.

Ich befinde mich damit in bester Gesellschaft, da bereits im Jahr 1931 der bekannte deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky in seinem Essay Zur soziologischen Psychologie der Löcher“ festhielt: „Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.“

Per Definition ist – ebenso wie ein Loch – eine Höhle etwas, wo an einer Stelle, an der vorher etwas war – nämlich Fels -, nun nichts mehr ist. Das Gestein wurde durch Korrosion oder auch Erosion im Laufe von Jahrtausenden entfernt, so dass dort nun Nichts ist. Das Nichts darf auch nicht zu klein sein, sondern muss eine Mindestlänge von fünf befahrbaren Metern aufweisen. Sonst ist dort zwar auch nichts, wird aber nicht als Nichts nach der speläologischen Definition akzeptiert. Weiterhin wichtig für die Definition ist die Tatsache, dass die Entfernung des vormals vorhandenen Gesteins nicht von Menschenhand, sondern  durch natürliche Prozesse entstanden ist, so dass dort, wo vorher Fels war, nun natürlich Nichts ist. Dann ist das eine Höhle.

Wurde hingegen das vormals vorhandene Gestein auf künstliche Weise entfernt, so ist auch dort zwar Nichts, aber hier wird dann nicht von einer „Höhle“, sondern von einem „Stollen“ gesprochen. Dies ist dann kein natürliches, sondern ein künstliches Nichts – also nichts für Höhlenforscher.

Entsprechend der bekannten Problematik „Was wird aus einem Ofenrohr, wenn man das Blech abmacht?“ kann es passieren, dass das Nichts umgebende Gestein entfernt wird, wie es beispielsweise in Steinbrüchen oft geschieht. Dann ist dort nichts mehr – nicht mal mehr Nichts… Das ist dann sehr schade und wird in Fachkreisen allgemein bedauert. Deshalb finden besonders in noch in Betrieb befindlichen Steinbrüchen in unregelmäßigen Abständen unangekündigte (und meist ungenehmigte) Kontrollgänge statt, um zu sehen, ob man vielleicht irgendwo Nichts sieht, bzw. um festzustellen, ob bei neuen Sprengungen Nichts angeschnitten wurde. Da diese Kontrollgänge aus naheliegenden Gründen meist nachts stattfinden müssen, ist es naturgemäß oft schwierig, Nichts zu sehen, einfach weil man nichts sieht.

Zum Thema „Mensch und Loch“ (oder besser: „Mensch und Höhle“ oder noch besser: „Mensch und Nichts“) schreibt Tucholsky: „Wenn der Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben es auszufüllen, dabei fällt er meist hinein. (…) Loch ist Schicksal.“

Für meisten der hier Anwesenden gilt ebenfalls: Loch (- also Höhlen – also Nichts -) ist ihr Schicksal! Auch sie haben (und jetzt bitte keine Hintergedanken!) das Bestreben, Löcher      (– also Höhlen – also Nichts –) ausfüllen zu wollen, möglichst mit dem beschlazten Körper. Sie versuchen, das Nichts so oft und so lange mit ihrem Körper auszufüllen, bis sie sich im Nichts auskennen.

Aber auch in bereits bekanntem Nichts suchen engagierte Zeitgenossen nach neuem Nichts. Sie graben mühsam im Lehm oder führen im das Nichts umgebende Gestein kleinere Sprengungen durch, um Nichts zu suchen. Leider ist die Suche oft vergeblich, denn meistens finden sie… nichts. Wenn sie aber doch nach langer, mühsamer Arbeit und Suche Nichts finden, ist die Begeisterung groß. Es ist immer wieder bemerkenswert, dass es Menschen gibt, die sich über Nichts freuen können.

Viele sind bereit, Geld dafür auszugeben, nur um Nichts zu sehen, so dass sogar Führungen angeboten werden, um ihnen Nichts zu zeigen. Staunend stehen die Menschen im Nichts und bewundern die Stellen, wo sie Nichts sehen. In aller Regel werden dafür aufwändige Lichtanlagen installiert, denn wenn diese nicht wären, sähe man ja im Dunkeln schließlich nichts.

Schlussfolgerung:

Analog zum neudeutschen Begriff „Political Correctness“ sollten wir, die wir uns ernsthaft mit Nichts beschäftigen, uns um eine gewisse „Speleological  Correctness“ bemühen und in entsprechenden Vorträgen und Publikationen nicht mehr den Begriff „Höhle“ verwenden, der wie eine verbale Mogelpackung fälschlicherweise suggeriert, dass etwas dort vorhanden sei, wo in Wirklichkeit Nichts ist. Das bislang verwendete Wort „Höhle“ führt also eher in die Irre.

Stattdessen sollte in Fachkreisen fortan konsequent nur noch der Begriff „Nichts“ Verwendung finden, da „Nichts“ die Vorgänge und Gegebenheiten unter der Erde exakter und präziser darstellt als das Wort „Höhle.

Gleichzeitig würde mit dem leider viel zu oft verwendeten Pleonasmus „unterirdische Höhle“ Schluss gemacht, denn während eine „Höhle“ per Definition unterirdisch ist, gibt es durchaus gravierende Unterschiede zwischen einem unterirdischen Nichts, einem ober-irdischen Nichts und einem überirdischen Nichts! (Das überirdische Nichts bezeichnet man als „Atheismus“, das oberirdische Nichts als „Bielefeld“.)

So sollten – im Bemühen um eine Speleological Correctness – ab sofort jene Nichtse, durch die Besucher geführt werden, um sich Nichts anzuschauen, als „Schaunichtse“ bezeichnet werden. Des Weiteren sollten wir zukünftig von „Nichtforschern“ oder „Nichttauchern“ sprechen, wir sollten in unserer Satzung festhalten, dass wir uns dem „Nichtsschutz“  (nicht zu verwechseln mit „Nichtsnutz“) verschrieben haben und unsere bekannteste Publikation (bislang „Höhlen und Karst in Ennepetal“) sollte umbenannt werden in „Nichts in Ennepetal“. Auch bin ich der Meinung, dass zum Schutz von Fledermäusen und andern Nichttieren das „Nichtrauchen“ unter Strafe gestellt werden sollte!

Ein Nicht-Eingang anstelle eines „Höhleneingangs“ würde überdies etliches an Kosten und Aufwand sparen, da keinerlei Tore und Schlösser mehr notwendig würden, denn ein Nicht-Eingang suggeriert ja deutlich, dass hier kein Eingang sei, folglich auch Nichts verschlossen werden muss.

Auch die Medizin könnte profitieren, denn eine Nasenneben-Nicht-entzündung beispiels-weise benötigt im Gegensatz zu einer Nasennebenhöhlenentzündung fortan keine Behandlung mehr!

Nichts würde unser Bemühen um eine ernsthafte Arbeit für Nichts deutlicher zeigen als die Umbenennung unseres Vereins in „Arbeitskreis Klutertnichts“, die ich hiermit beantrage.

So bräuchte auch unser verehrter Vorsitzender fortan seine Emails an unsere Mitglieder nicht mehr mit einem sexistischen „Hallo Mädels“ beginnen, sondern könnte sowohl die anwesenden als auch die nicht anwesenden Nichtforscher zukünftig geschlechtsneutral mit „Liebe Klutertnichtse“ begrüßen.

Verehrte Anwesende, liebe Mitglieder, ich fordere Euch nun also auf, über Nichts abzustimmen!

Danke sehr!